#055 – Deine Probleme verändern sich nicht mit Deiner PLZ

Es gibt heute mal wieder ein kleines Life-Update, in dem wir uns dennoch den großen Themen stellen: wie überlebe ich den Warte-Modus als Selbständiger? Warum kann ich nicht stolz auf mich sein? Warum ist das Internet manchmal so icky? Nicht dass wir darauf Antworten hätten, aber wir unterhalten uns mal drüber.

Transkript

Manu: Hallo.

Rachel: Folge 55.

Manu: Mega coole Zahl.

Rachel: Wir schnappseln heute wieder. Also als Zahl. Ja. Nicht so schnapps. Nee.

Manu: Nee, an einem Montag nicht.

Rachel: War ich so noch nie groß Fan von, muss ich gestehen.

Manu: Nee, ich eigentlich auch nicht. Vor allem, wenn man das gemacht hat, dann ja immer irgendwie, Wenn, dann war es nicht gut. Wenn, dann war es aber nie gut.

Rachel: Das war jetzt die diplomatische Ausdrucksweise. Okay, unsere Folgenanzahl abstimmt heute. Wir nicht.

Manu: Wir nicht. Hier gibt es nichts zu feiern.

Rachel: Das stimmt so nicht. Wenn ich auf die letzte Woche gucke, dann stimmt das so nicht.

Manu: Ja, das stimmt. Also, es stimmt, was du sagst.

Rachel: Ja.

Manu: Was?

Rachel: Große Verwirrung an dieser Stelle.

Manu: Wie war deine Woche? Fange nochmal an.

Rachel: Die Woche war, als ich drin war, fand ich sie durchwachsen. Jetzt bin ich, bin ich still geworden. Durchwachsen. Das war wirklich ein Auf und ab der Gefühle irgendwie. Ich habe letzte Woche wieder mit so einem Rhythmus jetzt hier in der neuen Wohnung gestartet. Das war für mich auch jetzt so die erste richtige Arbeitswoche auch in meinem Arbeitszimmer und das war irgendwie voll schön zu sehen, dass es gut funktioniert, dass der Vibe stimmt. Ich war dann doch recht produktiv im ersten Teil der Woche und habe mich dann so ein bisschen von meiner Nervosität ablenken lassen, weil ich dann nicht am Donnerstag hatte ich den Termin für meine Disputation, also für die mündliche Verteidigung meiner Masterarbeit. Und ich weiß nicht warum, aber mich hat das dann schon ab Montag, Mittwoch früh so nervös gemacht, dass das jetzt irgendwie noch bevorsteht. Und eigentlich, wir haben ja vorher schon den Leitfaden bekommen, was uns da erwartet als Studis. Und das waren halt irgendwie 10 Minuten die Masterarbeit vorstellen, ohne große Präsentation, einfach nur erzählen, was man gemacht hat. Und danach gab es halt, würde es Fragen geben, so. Und mir war, Ich hatte dann am Donnerstagvormittag auch, und ich hatte diesen Termin Donnerstag 14 Uhr, was auch so eine bescheuerte Uhrzeit ist, weil ich den ganzen Tag nur im Wartemodus war und mich dann so abgestellt gefühlt habe. Und war die ganze Zeit in dieser Ambivalenz gefangen zwischen, Ich bin irgendwie echt nervös und aufgeregt und mein Hirn hat irgendwie nicht richtig funktioniert. Und gleichzeitig war es so, ja, aber ich meine, was ist denn das jetzt schon? Das ist gar nichts Besonderes, dass das jetzt heute irgendwie ansteht. Es ist irgendwie relativ wurschtig, so war so mein Gefühl, weil in meinem Kopf, ich hatte die Arbeit ja schon abgegeben und ich war so, egal was es wird, ich werde bestanden haben und das ist auch okay, das ist das Wichtigste, was ich jetzt irgendwie brauche und genau war dann irgendwie da so zwischengefangen, zwischen meinen eigenen Ansprüchen, das trotzdem jetzt richtig gut zu machen und irgendwie, gleichzeitig aber zu wissen, im Kern ist es mir aber eigentlich wurscht, weil am Ende werde ich halt auch nicht das rausgreifen und mir denken, boah, da bin ich jetzt besonders stolz drauf. Das ist so, das war so ein bisschen schwierig. Und dann war Donnerstagnachmittag und dann war die Disputation und es lief alles gut. Ich habe meine Masterarbeit und die Disputation bestanden. 

Manu: Auch mit 1 sehr guten Note.

Rachel: Ich bin sehr zufrieden. Und das ist eigentlich so, wofür war der Nervenkitzel da, wofür war er gut?

Manu: Ach so, echt, oder? Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Also wir haben über dieses Thema gesprochen, sich selbst zu honorieren, dass dir das schwer fällt, danach, also die eigene Leistung zu sehen, aber darüber haben wir jetzt auch gar nicht gesprochen. So, dass du dann rückblickend sozusagen, ja warum warst denn du jetzt überhaupt aufgeregt?

Rachel: Ja, weil es mir eben, weil es mir eben eigentlich so wurscht ist. Also irgendwie innerlich, weil ich da jetzt irgendwie auch nicht so vielleicht diesen Stolz so krass empfinden kann. Ich fand es total schön, dass wir dann am Donnerstagnachmittag irgendwie, dass wir essen waren und das irgendwie dann so im Kleinen für uns gefeiert haben. Also gefeiert haben, wie gesagt, ich fand es schön, dass wir den Anlass hatten, essen zu gehen und ich habe die Zeit mit dir sehr genossen, aber es war jetzt nicht irgendwie, oh wow, was ich da geschafft habe. Ich habe jetzt einen Master. Also ich weiß nicht, irgendwie haut das in die Kerbe und das war ein Thema, das ich immer mal wieder angeschnitten habe, auch hier im Podcast, dass mir das sehr schwer fällt, auf so etwas zurückgelegenes zu schauen und zu sagen, boah, ja cool, das habe ich jetzt gemacht. Das habe ich jetzt… Also ich kann das rational und ich kann auch darüber irgendwie das journalen und das festhalten, damit ich mich dann mal in 2, 3 Jahren daran erinnere, ach ja stimmt, so habe ich mich gefühlt, als ich den Master abgeschlossen habe.

Manu: Aber in dem Moment sich richtig darüber freuen und stolz auf sich sein.

Rachel: Ja, ist mir irgendwie, ist mir sehr schwer gefallen. Und dann war eben der Freitag auch so ein Semitag, weil ich irgendwie so komplett lost war. Ich habe mein Leben gefühlt nur bis zu diesem Donnerstag 14 Uhr geplant und war so, okay, was jetzt? Und am Wochenende habe ich nur menstruiert. 

Manu: Also da ist nicht viel… 

Rachel: Nein, aber es ist nicht viel sonst passiert, außer ganz viel im Bett liegen und lesen.

Manu: Du hast mich ja, du hast ja selber relativ viel recherchiert dazu, jetzt am Wochenende. Und dann haben wir zusammen ganz lange darüber geredet und da hast du mir die Augen geöffnet. Das fand ich einen unfassbar krassen Fact über Menstruation, dass man bis zu 900 Kalorien nur aufgrund der Menstruation verbrennt Am Tag.

Rachel: Ja, bis zu. Also nicht für alle Frauen.

Manu: Ja, aber bis zu, Alter, das finde ich so krass.

Rachel: Ja. Das ist echt krass. Müsste ich jetzt hier selber Fact-Checker machen und das nochmal raussuchen und die Quelle reinlegen.

Manu: Sorry, ich kann auch nochmal gucken. Ich kann auch gucken.

Rachel: Ja, aber das war meine Woche. Es war irgendwie so zwischen cool, ich habe mein Studium abgeschlossen und ich habe es auch richtig gut abgeschlossen.

Manu: Ja, hast du.

Rachel: Ja, und jetzt weiter mit dem nächsten Problem.

Manu: Ich finde aber, und ich möchte das jetzt, das ist jetzt ein totaler Meter, weil ich jetzt, also wenn ich es jetzt Meter ausdrücken möchte, da würde ich jetzt sagen, es gibt aber etwas worauf du stolz sein kannst, dass ich beobachtet habe, als jemand der dich schon eine ganze Weile kennt, dass du besser darin wirst stolz auf dich zu sein und deine Leistung, deine eigene Leistung anzuerkennen. In kleinen Schritten, aber ich finde, dass du besser wirst darin. Also auch im Sinne von, ich finde, das fängt ja auch damit an, dass man zum Beispiel nach so 1 Leistung dann auch sagt so und jetzt nehme ich mir den Raum, mich davon zu erholen und runterzufahren und dann bist du vor allem auch besser geworden, finde ich. Und ist jetzt nur meine Wahrnehmung, kannst mir auch widersprechen. Aber ich finde, dein Umgang damit, auch wenn es vielleicht noch nicht auf der tiefsten Ebene in dir angekommen ist und auf der unbewussten Ebene angekommen ist, jetzt ganz konkret im Sinne, dass ich bin jetzt stolz auf mich, dann zumindest ein paar Ebenen drüber, schon mal so das vorzubereiten. Weißt du, was ich meine?

Rachel: Das ist total interessant, weil ich jetzt gerade, als du das dann gesagt hast, ja, ich besser daran werde, danach dann auch mal mich mit bisschen mehr Ruhe oder so zu belohnen oder zu sagen, hey das hast du dir jetzt mal verdient ein bisschen Pause zu machen. Mein Hirn hat da direkt draus gemacht, er hat noch nicht gemerkt, dass ich einfach froh bin, eine valide Ausrede zu haben, nichts zu tun und wieder faul zu sein.

Manu: Na gut, das kenne ich von mir auch.

Rachel: Nein, aber das hat mein Hirn da gerade so… Ja, ja. Es sieht so aus, als würde ich mich einfach darauf ausruhen, im wahrsten Sinne des Wortes, dass ich jetzt einen Meilenstein geschafft habe. Aber mein Hirn ist so, nee, du, das ist ja für dich immer nur eine Ausrede, dann zu sagen, jetzt musst du wieder einen Tag nichts machen.

Manu: Interessant, ja. Ich weiß sehr gut, was du meinst, das habe ich nämlich total krass.

Rachel: Aber eigentlich ist es ja, ist es ja irgendwie auch Quatsch. Also ich frage mich gerade. 

Manu: Es ist nicht nur irgendwie Quatsch, es ist ein extrem toxisches Verhalten sich selbst gegenüber. 

Rachel: Aber das Ding ist halt, die Dinge, die kamen. Aber wenn ich hier so das Ergebnis, das ist ja dann das Gleiche, dass man nichts macht, obwohl bei dem einen macht man nichts mit einem schlechten Gewissen und mit einem selbstzerstörerischen Ansatz.

Manu: Ja, genau. Ja, aber das ist ja, also sorry, aber das ist ja in diesem Haushalt und wahrscheinlich in vielen anderen selbstständigen Haushalten, das ist ja wirklich etwas komisches, wenn wir bis jetzt so selten darüber geredet haben. 

Rachel: Aber das ist ja wirklich… Selbsthass?

Manu: Nein, bitte nicht. Okay, wow. We digging deep today. Nein, also ich meine im Sinne von… Das ist ja etwas, was wir uns echt in seiner Grundfassung teilen. Diese Mischung aus Impostor-Syndrom und Leistungsdruck und so. Das ist ja etwas, was wir aus unterschiedlichen Gründen wahrscheinlich und unterschiedlichen Voraussetzungen –

Rachel: – und Gott sei Dank auch zu unterschiedlichen Zeiten –

Manu: – genau, das ist auch ganz gut, also meistens zumindest. Aber das ist ja etwas, was wir beide total krass haben. Also dieses Gefühl von, ja, ich habe Entspannung nicht verdient. Das ist immer nur Faulheit. Das hat immer nur was mit Faulsein zu tun. Und so weiter. Ist aber auch ein großes Problem der Selbstständigkeit. Ist auch ein großes Problem unserer Arbeitswelt heutzutage.

Rachel: Unsere Leistungsgesellschaft. Brutal.

Manu: Aber trotzdem möchte ich das noch mal bestärken. In meiner Beobachtung bist du daran besser geworden, ohne dass es da irgendetwas zu entlarven gäbe. Ohne dass… Also ich… Deswegen sage ich dir das auch immer wieder und ich habe es ja auch am Wochenende ganz oft gesagt, ohne dass du mich danach gefragt hast, ohne dich rückversichern zu wollen, es ist okay, dass du dich gerade entspannst. Es ist vollkommen in Ordnung.

Rachel: Ja, aber am Wochenende fiel es mir dann leichter, weil ich ja körperlich wirklich nicht konnte, zu was anderem in der Lage war. Aber es ist ja auch nicht die Lösung, immer nur zu warten, bis der Körper dann sagt, so jetzt ist hier mal Schluss. 

Manu: Nee, aber auch das ist etwas, was wir ja alle irgendwie gelernt haben. So wie man vor allem in Deutschland mit Arbeit umgeht, ist ja, dass du erst dich erholen darfst, wenn es dir so schlecht geht, dass es nicht mehr anders geht. Ja. Ja.

Rachel: Genau, aber das war letztendlich…

Manu: Deine Woche war turbulent, ja.

Rachel: War sehr aufregend. Irgendwie so ein Auf und Ab und…

Manu: Ja. Ich finde, du hast das fantastisch gemacht. und ich habe es dir auch am Donnerstag schon gesagt. Ich bewundere dich für das, was du geleistet hast.

Rachel: Das hätte ich aber auch nicht ohne dich geschafft.

Manu: Das ist ein Punkt, über den wir uns immer wieder ein bisschen streiten.

Rachel: Ich weiß, aber vielleicht hast du das einfach mal zu akzeptieren.

Manu: Vielleicht hättest du es nicht ganz so komfortabel geschafft. Also hättest es auf jeden Fall geschafft. Vielleicht habe ich an der einen oder anderen Ecke mal meine Kochkünste wirken lassen, dich zu belohnen für einen arbeitsamen.

Rachel: Ja, oder mir ab und an einfach dann doch den Rücken freigehalten in verschiedenen…

Manu: Oder gekrault.

Rachel: Oder gekrault. Also in verschiedenen Ausprägungen. Hast du dich mit meinem Rücken beschäftigt?

Manu: Ja, genau.

Rachel: Ja. Den freigehalten, ihn gekrault oder hat dich auch mal dran angelehnt und das war auch ein Bild.

Manu: Genau, wir wurden beide von Rücken an Rücken aneinander angelehnt. Das ist ein schönes Bild.

Rachel: Ja, aber das war Und dann hatte ich die Woche ja auch noch meinen großen viralen Moment auf Threads. Das ist ja auch nach der Woche passiert. Also es war groß turbulent. Ich habe nämlich mir abends eine Wärmflasche gemacht. Ich erzähle die Geschichte jetzt auch nochmal. Ich habe mir abends eine Wärmflasche gemacht, weil es einfach noch nicht warm genug ist und ich eine kleine Frostbeule bin. Und stand dann da und habe mich einfach so darüber gefreut, dass ich jetzt nach der Zeit, in der wir jetzt hier sind und wieder unseren eigenen Wasserkocher benutzen, ich noch nicht das Gefühl hatte, dass ich meinen oder unseren Wasserkocher entkalken muss. Und in München hatten wir einfach das Pech mit dem Wasser dort generell, aber vielleicht auch wahrscheinlich die Mikrolage mit dem Stadtteil und der Wohnung, dass wir unglaubliches Kalkproblem hatten.

Manu: Oh yeah.

Rachel: Also ich habe in München in der Wohnung lernen müssen, wie man Toilettenspülungen entkalkt und dass man das scheinbar machen muss, wenn man in so 1 Gegend wohnt.

Manu: Das war aber, das hatte ich in keiner anderen Wohnung vorher tatsächlich.

Rachel: Ja, also es war irgendwie krass. Und dann habe ich das, meine Freude darüber eben am Dienstag, Mittwochabend, wann das war, wollte ich zum Ausdruck bringen und teilen und hab das dann ganz aufs Shreds gemacht, weil ich mir dachte, ich bin jetzt vielleicht nicht lustig so Und hab das dann da gepostet mit der Übertreibung von wegen, das schönste, höchste an Lebensqualität ist hier in Leipzig, dass ich nie wieder meinen Wasserkocher einkalten muss. Und da bin ich ins Bett gegangen, weil ich war ja müde. Und am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und dachte mir so, was ist hier los? Ich glaube, bis mittags bin ich auf 6000 Aufrufe gekommen. Und die Leute haben sich in den Kommentaren echt darüber zerfetzt, wo ich in Leipzig denn wohl wohnen könnte, dass ich scheinbar da Glück mit habe, weil sonst ist das Leipziger Wasser voll die Plölle und du kannst da gar nichts mitmachen und manche sind dann auch politisch geworden, haben sich darüber gestritten, ob ich denn auch politisch im richtigen Viertel wohne und so.

Manu: So auf Krampf, ne?

Rachel: So auf Krampf, ganz schlimm.

Manu: Also am schönsten fand ich den Kommentar, der gesagt hat, dass du nach deiner Zeit in München erstmal deinen Kopf in Kalken solltest.

Rachel: Ja, vollkommen so random.

Manu: Was ist, was, hallo?

Rachel: Ja, es war echt irgendwie interessant und dann hat es irgendwann Fahrt aufgenommen. Ich glaube, als dann alle, die sich nachts gemeldet haben, so ein bisschen von anderen Kommentaren überstimmt worden sind.

Manu: Das ist so wie bei Minecraft, wenn der Tag beginnt, dann verschwinden die Monster.

Rachel: Ja, ich hatte so ein bisschen das Gefühl, das war es. Also da hatte ich dann auch, gab es andere Erfahrungsberichte, die das Gleiche beobachtet haben. Entweder die gleiche Situation, wie beschissen das Wasser in München ist, oder eben im Vergleich, wie viel besser es hier in Leipzig ist, egal wo der Ursprungsort quasi ist. Aber am Ende ist dann dieser Post auf mittlerweile über 12.000 Aufrufe gekommen. Ich dachte nur, Leute, das ging nur meinen Wasserkocher.

Manu: Ja, aber das ist tatsächlich eine Beobachtung, die ich bei Threads jetzt ein paar mal gemacht habe, da haben wir ja dann auch drüber gesprochen, dass also je Wie soll ich das sagen, je leichter verdaulich oder beziehungsweise je simpler die Aussage, die du tätigst und je mehr Potenzial für Ragebait das scheinbar enthält, desto besser funktioniert der Content. Aber wenn du jetzt, keine Ahnung, was Längeres schreibst oder irgendwie in sich verschachtelt oder so, das funktioniert alles auf Threads nicht. Das ist wirklich so kurze, knackige Message.

Rachel: Ich glaube, es war aber auch so ein, dadurch, dass das so ein Alltagsthema war, Jeder hat eine Meinung zu dem Wasser in seinem Haus.

Manu: Ja, genau. Da wollte ich eigentlich…

Rachel: Genau, also jeder hat einen Bezug zu und jeder könnte da letztendlich was zu sagen. Richtig. Und wenn er nur sagt, ja bei mir ist aber alles super. Und ich fand’s interessant, ich fand’s interessant, was das bei mir gemacht hat, weil als ich dann da eben morgens aufgewacht bin und das gesehen habe, was sich da eben da gesammelt hat und eben auch diese sehr unbequemen, dass ich da echt kurz davor war zu sagen, boah, ich wäsch das jetzt, weil irgendwie ist mir das auch zu blöd. Und gerade als es dann irgendwie auch darum ging, in welchem Viertel ich denn dann wohne und dadadada, wo ich dann auch nochmal so diesen Schritt weitergegangen bin, hab ich gedacht, okay gut, wenn jetzt jemand irgendwie, ich glaube jetzt nicht in Bezug nur wegen des Kalkgehaltes an meinem Wasserkocher, aber es ist ja jetzt nicht so schwer, meine Adresse herauszufinden, dadurch dass ich als Selbstständige auch gezwungen bin, die in gewisser Weise preiszugeben. Ja. Wo ich dann echt irgendwie das so ein bisschen, es hat sich irgendwie so icky angefühlt und ich dachte mir so, dann lösche ich das jetzt. Und irgendwas ist dazwischen gekommen, das ich dann doch nicht gemacht habe. Und dann hat sich das über die über den laufe des tages ja dann auch wieder verändert und die stimmung an sich ist anders geworden aber ich habe dann da echt so eine dann echt gemerkt so ohne dass es ja wirklich bis auf diesen einen kommentar konkret gegen mich ging fand ich es interessant was das in mir ausgelöst hat dieses dieses unwohl sein da scheinbar eine Angriffsfläche geboten zu haben, obwohl das da überhaupt nicht intendiert war. Obwohl ich habe das in keinster Weise antizipiert, dass das kommt. Und wenn das dann so unvorbereitet passiert, dann ist es glaube ich, habe ich für mich gemerkt, das ist schwieriger, als wenn ich jetzt mit einem was poste, wo ich schon davon ausgehen kann, dass polarisiert oder soll es vielleicht auch, damit ich dann meine Argumente auch platzieren kann. Ich meine, es gibt ja auch verschiedene Formen, wie man das macht und das auch funktionieren kann, bestimmte Dinge auf den Punkt zu bringen. Aber in dem Fall war ich echt so, Was ist los mit dem Internet? Mal wieder. War das die große Frage?

Manu: Ja. Ja, verstehe ich. Es ist einschüchternd. Also das ist auch der Grund, weswegen ich glaube, ich jetzt gerade auch nicht so viel politischen Content mehr mache auf Verletz, weil ich auch diesen Moment hatte. Also ich hatte diesen Moment, wo ich dann wirklich auch zum Teil ziemlich böse und giftige Kommentare bekommen habe. Da hatte ich ja auch so ein paar Posts, die dann viral gegangen sind und da dann auch gemerkt habe, so ja gut, wenn jetzt 1 wirklich was Böses will, dann ist es nicht so schwer mich zu finden. Da habe ich auch gemerkt. Eigentlich dumm, eigentlich doof, dass diese Einstellung funktioniert. Ich bin da auch gerade, also bevor jetzt jemand denkt, dass ich damit aufhöre, deswegen nein, das nicht. Aber ich bin gerade echt am Überlegen, wie ich das für mich löse und was ich da mache und was auch das richtige Medium ist für mich. Genau, das ist so ein bisschen gerade auch ein Prozess, der noch im Hintergrund läuft.

Rachel: Ja, vielleicht doch nochmal der Moment, irgendwie jetzt darüber nachzudenken, so eine, diese in Anführungsstrichen virtuellen Büroadressen in Anspruch zu nehmen. Also dass du eine ladungsfähige Anschrift hast und alles, aber dass es halt nicht mehr deine Privatadresse ist.

Manu: Das ist glaube ich eine ziemlich gute Idee.

Rachel: Das ist jetzt nochmal so ein Punkt, wo man da aktiv drüber nachdenken kann. Aber ich fand diese Meta-Ebene mich darin dann selbst zu beobachten und diesen Gedanken und dann hat man oder habe ich tatsächlich auch immer wieder, auch wenn ich in anderen Kommentarspalten immer wieder über so Idioten stolpere, was für arme kleine Menschen das sein müssen, dass statt einfach weiter zu scrollen und zu denken, okay kann ich Kann ich oder will ich nichts Sachliches zu sagen oder ich möchte meine Erfahrung zum Kalkwasser nicht teilen. Dann stattdessen sich die Mühe zu machen, da wirklich sich eine Art von beleidigendem Kommentar aus den Fingern zu lassen. Also da denke ich mir immer so, hast du nichts Besseres in deinem Leben zu tun?

Manu: Ja, das ist eine große Absurdität unserer Zeit. 

Rachel: Das ist so traurig auf der einen Seite, auf der anderen Seite denke ich mir, das ist genau so die Idioten, weswegen man dann irgendwann nicht mehr so viel Spaß am Internet hat.

Manu: Ja. Ja, kann ich gar nicht mehr dazu sagen.

Rachel: Also auch hier ein Auf und Ab der Gefühle. Und wie war denn deine Woche? Vielleicht bleiben wir mal nur beim Ab. Wie war denn deine Woche? War es so schlimm?

Manu: Meine Woche?

Rachel: War es ein reines Ab der Gefühle?

Manu: Ähm, nee. Es war auch irgendwie so ein hoch und tief irgendwie. Also heute, ich roll’s von hinten auf, heute holt mich irgendwie ein, dass ich wirklich grade mit dieser Situation, in der ich mich befinde, richtig schlecht umgehen kann, mit diesem Zwischenprojekten zu sein, keinen konkreten Arbeitsauftrag gerade zu haben, sondern irgendwie so auf Warteposition in verschiedenen Projekten. Und alles zieht sich und alles dauert und heute holt es mich richtig ein. Heute geht es mir richtig schlecht. Das ist irgendwie, also es gibt Phasen in meiner Selbstständigkeit, da konnte ich damit echt gut umgehen. Da war das dann auch so, dass da so die Energie dafür da war, dann so, oh geil, und jetzt arbeite ich an meinem Portfolio oder an einfach kreativen Projekten für mich oder an meiner Musik oder so. Und gerade ist es wirklich so, sobald dann der Gedanke kommt, der eigentlich vermeintlich erlösend wäre oder in der Vergangenheit war, jetzt kann ich die Zeit für was anderes nutzen, dass ich extrem müde werde und extrem traurig. Das ist gerade echt, sorry, ich kann auch nichts erheitern, was ich gerade sagen soll. Das ist irgendwie, Ja, das hat gestern schon so ein bisschen angefangen, aber es war halt Sonntag. Und dann war so, ja, okay, dann kann ich ja jetzt irgendwie, keine Ahnung, Sachen machen, die gar nichts mit Arbeit zu tun haben.

Rachel: Die ganz klar unter Freizeitgestaltung fallen.

Manu: Die ganz klar unter Freizeitgestaltung fallen, genau. Und dann heute mit so einem Montag kommt halt irgendwie so dieses Verantwortungsgefühl und irgendwie dieses Gefühl, so und jetzt muss da was reißen. Und dann habe ich gemerkt, so, boah, geht irgendwie nicht. Also erstens, weil halt de facto ich nichts zu arbeiten habe gerade und zum anderen halt nicht die Energie andere Projekte irgendwie so voranzutreiben. Und ich habe noch nicht mal, Jetzt kommt es ganz dicke, ich habe noch nicht mal Bock auf Content machen. Also wo ich letzte Woche mir eigentlich dachte, ach cool, diese Woche werde ich irgendwie mich auf Content konzentrieren und so. Ich habe gerade überhaupt keine Lust. Gar nicht. Das ist so ein Tag heute.

Rachel: Dann bin ich aber froh, dass du dich jetzt trotzdem mit mir hingesetzt hast.

Manu: Ja, das ist ja vielleicht auch mal wichtig zu hören, dass sowas auch passieren kann. Ich kenn sowas auch, ich hatte das halt lang nicht mehr. Ich hatte lang nicht mehr so einen Tag wie heute oder wie gestern. Und ist aber okay und ich weiß auch, dass das wieder geht. Und ich weiß auch, dass das komfortabler an meiner Situation ist ja auch gerade, dass ich weiß, dass Projekte kommen. Ich meine, ich hatte diese Situation in meiner Selbstständigkeit auch schon, dass es mir so ging, wie es mir jetzt ging, ohne dass da irgendwelche Projekte vor der Haustür standen. Das ist dann einiges schlimmer, die Situation. Jetzt gerade ist es ja dadurch eigentlich recht komfortabel. Was ich aber diese Woche gemacht habe, neben darauf zu warten, dass es losgeht, ich habe trotzdem weiter versucht, so meinen Tagesrhythmus, den ich ja auch schon, wovon ich ja auch schon die letzten Male, oder ich glaube, in der letzten Folge erzählt hab, weiter durchzuziehen, was nach wie vor gut ist, was auch irgendwie mir so ein Haltegerüst liefert. Wenn ich das nicht hätte, wär’s, glaub ich, auch noch mal eine Spur schlimmer. Das ist grade auch sehr gut, das gibt mir irgendwie einen Halt. Dadurch habe ich auch so ein Mindestmaß an Dingen, die ich am Tag so über den Tag verteilt erledige und das gibt mir so eine Struktur rundherum. Und allein das ist schon irgendwie so ein gutes Haltegerüst. Dann war ich jetzt am Wochenende auf der Cactus. Und ich glaube, das ist auch so ein bisschen Trigger für heute. Wenn ich jetzt, wo ich jetzt drüber rede, merke ich es nämlich, dass ich immer ein großes Problem habe vor so Events, wo ich aus beruflichen Gründen hingehe und auch aus Akquisegründen hingehe. Das baut einen riesigen Druck in mir auf. Ich habe diesmal versucht, das nicht zuzulassen. Es ist trotzdem passiert. Man kann seine eigene Psyche halt dann manchmal doch nicht so gut austricksen. Grund war bestimmt auch dafür, dass ich da halt komplett alleine hin bin. 2 Tage hintereinander. Ich doch in solchen Momenten ein sehr schüchterner Mensch bin, der sich sehr, sehr viel Kopf macht darüber, wie man Leute irgendwie anspricht und wie ich wahrgenommen werde und das ist sehr, sehr anstrengend für mich. Und ich war mutig, und ich kann mir das auch sagen, aber da geht es mir ein bisschen wie dir, dass ich rückblickend trotzdem das Gefühl gehabt habe, versagt zu haben dabei. Einfach da nicht das genug gewollt zu haben oder mich angestellt zu haben und deswegen nicht das rausgeholt zu haben aus dieser Messe, was ich hätte rausholen können. Und ich deswegen selbst verschuldet jetzt auch in dieser Situation bin, dass ich Also, völlig absurd, ne? Aber dass ich jetzt in dieser Situation bin, in Anführungsstrichen nichts zu tun zu haben. Und dass das doch jetzt die Gelegenheit gewesen wäre, mich und mein Business auf das nächste Level zu bringen. Was total absurd ist, weil es nicht stimmend war. Liebe Cactus, weil da einfach zu wenige Indie-Games vor Ort waren. Also das war ein bisschen beschämend. Das war eine riesige Halle und für die ganzen Indie-Entwickler war so ein 10 auf 20 Quadratmeter Raum irgendwie.

Rachel: 10 auf 20 Quadratmeter? 10 auf 20 Meter?

Manu: 10 auf 20 Meter, so richtig. Entschuldigung. 10 auf 20 Meter. Sehr gut aufgefasst. 10 auf 20 Meter, Bereich, wo halt diese Indie Games hingestopft waren. Ich hätte gar nicht groß Akquise machen können auf dieser Veranstaltung. Aber trotzdem bleibt halt dann so dieses Gefühl von…

Rachel: Mit leeren Händen nach Hause gehen.

Manu: Ja, voll. Und ich glaube, das war auch so ein bisschen jetzt das, was dann heute auch ja, mich mit diesem Gefühl hinterlässt. So ein bisschen dieses Gefühl von Versag zu haben. Und gleichzeitig hat es mich aber extrem erschöpft und das merke ich heute auch noch. Also ich bin trotzdem mega fertig davon.

Rachel: Ja, aber dann ist es ja vielleicht so ein bisschen auch die Hilfestellung zu sagen oder dann auch nochmal mit 1 anderen anderen Erwartungshaltung in Zukunft an so Erstbesuche für so Events zu gehen.

Manu: Ja, ja, voll, absolut.

Rachel: Und dann zu wissen, ich meine, wir haben dieses Jahr noch die Republik, auf die wir beide zum ersten Mal gehen und du hast die Gamescom noch dieses Jahr, auf die du zum ersten Mal gehst. Und so ein bisschen eher mit dem, mit der Perspektive hinzugehen, die Veranstalter müssen jetzt gerade auch einfach noch erst mal sich verkaufen und zeigen, was kann das Event eigentlich. Und dann sonst für dich irgendwie mitzunehmen, was geht und was dich irgendwie gut und richtig anfühlt. Aber in erster Linie hat ja jetzt in dem Fall wirklich die Cactus so ein bisschen dich fallen gelassen. Oder ist deinen Erwartungen nicht gerecht geworden?

Manu: Ich bin mir selbst meinen eigenen Erwartungen auch nicht gerecht geworden und das liegt nicht an meinen Fähigkeiten, sondern an meiner Erwartungshaltung. Also ich habe mir zum Beispiel auch im Kopf gesetzt, dass ich jetzt total krass Content draus mache. Und dann stand ich da auf dieser Messe, war extrem eingeschüchtert, weil da halt extrem viele Leute mit ihren Kameras rumgelaufen sind und irgendwie in ihre Handys reingequatscht haben und ich selber dann gemerkt habe, Ich kann das jetzt nicht. Ich kann das jetzt gerade nicht.

Rachel: Aber das ist ja auch nochmal, wenn man das selber nicht gewohnt ist oder noch nicht oft gemacht hat, außerhalb der eigenen 4 Wände Content aufzunehmen, ist das ja auch nochmal irgendwie krasser.

Manu: Ja, aber das ist halt das, genau, und das ist genau der Punkt mit eben dieser eigenen Anspruchshaltung. Ich glaube, was gut ist jetzt bei den nächsten Dingen, wo wir hingehen und wo ich auch Gott sei Dank nicht alleine hingehe, ist erstmal die gesamte eigene Erwartungshaltung zu Hause zu lassen und zu sagen, okay, ich gehe da jetzt ohne irgendeine Agenda hin. Ohne jegliche Agenda. Und ich glaube, das ist etwas, was ich mir echt angewöhnen muss. 

Rachel: Zumindest immer für diesen ersten Tag, wenn es sowas mehrtägiges ist.

Manu: Genau. So einen Orientierungstag sich zu erlauben. Ja, genau. Sorry, das war von meiner Seite auch irgendwie ein Runterzieher gerade, aber ich wollte das jetzt auch nicht verheimlichen. Und vielleicht ist es ja auch für den einen oder anderen oder die eine oder andere gut, das auch zu hören, dass solche Tage okay sind.

Rachel: Ja, und ich meine, man muss glaube ich einfach immer in der Perspektive oder in die Perspektive wieder zurückfinden, sich zu fragen, so ein bisschen dieses Abhaken, auf was kann ich mich dann jetzt stattdessen freuen?

Manu: Ja, absolut, absolut, total.

Rachel: Und auf was kannst du dich denn jetzt freuen, Manu?

Manu: Kann ich dir heute noch nicht sagen. Weiß ich heute noch nicht. Auch das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt. Auch das ist etwas, was ich mir oft nicht erlaube, die Gefühle, die ich an so Tagen wie heute habe, einfach mal zu fühlen. Und nicht zu sagen, ich muss es jetzt lösen. Weil das ist auch immer meine Instinkthandlung dann sofort. Oh Gott, jetzt kommt hier ein unangenehmes Gefühl, das muss ich jetzt sofort lösen, das muss jetzt sofort weggehen. Sondern manchmal vielleicht auch dann lieber diese Gefühle auch erstmal fühlen ausreichend, dann vielleicht am nächsten Tag zu sagen, okay, vielleicht fühle ich es heute ein bisschen weniger und was anderes dafür ein bisschen mehr. Also, das ist gut. Ja, ich glaube auch. Genau. Eine wichtige Sache möchte ich noch ergänzen und das ist, glaube ich, auch wichtig. Ich war sehr lange Zeit, bis jetzt diese Phase kam, sehr gut darin, mich als selbstständiger Freelancer, Solo-Selbstständiger darauf einzustellen, dass Projekte sich immer verschieben können, dass Projekte immer ausfallen können, dass es immer Planungsänderungen gibt und geben kann. Und da möchte ich auch wieder hin zurückfinden. Ich glaube, dass dass ich da gerade so schlecht damit umgehen kann, ist so der aktuellen Erschöpfungssituation nach unserem letzten halben Jahr auch geschuldet. Das ist etwas, was extrem wichtig ist für die Selbstständigkeit und was ich jetzt auch wieder merke, ist dieses in der Erwartungshaltung nach außen auch nicht abhängig zu machen von anderen, von Projekten. Weil es kann immer passieren, dass sich Sachen verschieben. Und das ist ganz natürlich und ganz normal. Und da nicht irgendwie auch Projektgebern oder Auftraggebern die eigene Erwartungshaltung überzustülpen und zu sagen, aber das muss doch jetzt alles passieren. Das muss doch, weißt du, was ich meine?

Rachel: Ja, voll. Ich finde es aber gerade viel spannender, was du gerade gesagt hast in Bezug auf, also dass du jetzt gerade nochmal eben diese letzten 6 Monate aufgemacht hast oder mit in diese Überlegungen eingebracht hast, dass das einfach auch noch einen Impact hat auf die Art und Weise, oder dass du jetzt anders mit dieser Situation auch umgehst, also dass das irgendwie einen Einfluss hat, weil ich tatsächlich gestern auch an einem Punkt war, wo ich mal wieder ein bisschen gejournaled und geschrieben habe, meine Gedanken irgendwie mal loswerden wollte und dann da auch auf einen Gedanke gekommen bin, der da so ein bisschen drauf einzahlt, aber ich habe dir gar nicht davon erzählt. Aber deswegen finde ich es interessant, dass du da jetzt auch drauf gehst. Und zwar hatte ich, und das ist etwas, worüber wir tatsächlich gesprochen haben am Wochenende, als ich eben so viel im Bett lag, weil es mir nicht gut ging und mein Körper das auch eingefordert hat, hatte ich ein Gefühl oder habe ich mich zurückerinnert gefühlt an die vielen, vor allem Wochenenden in meinen Zwanzigern, als ich ähnlich viel Zeit im Bett verbracht habe, was aber viel meiner Depression zu verschulden war. Und ich, als ich jetzt eben wieder da lag und gemerkt habe, ich kann auch einfach nichts anderes machen, gerade außer irgendwie rumliegen und lesen, so nach dem Motto, ich mich eben sehr stark wieder daran zurückerinnert gefühlt habe und sich das nicht gut angefühlt hat. Das war das, was ich dir mitgeteilt habe oder worüber wir auch kommuniziert haben. Und gestern als ich da saß und das noch mal alles in Worte gefasst habe und aufgeschrieben habe, was ich da irgendwie so denke, habe ich gemerkt, warum das jetzt vielleicht noch mal besonders weh tut, weil wir diese letzten 6 Monate, diese Anstrengungen, die das mit sich gebracht hat, auf uns genommen haben mit der Hoffnung und oder Erwartungshaltung, dass es hier in dieser neuen Etappe, in dieser neuen Stadt, neue Wohnungen, Neuanfang, dass es besser läuft. Und ich konnte das gestern für mich dann erstmal greifen, so okay, dieses Wochenende da jetzt nur rumgelegen zu haben, es hinterlässt in mir ein Gefühl des Versagens. Dass wir diese ganze Anstrengung auf uns genommen haben, Diesen Umzug, diese Entwurzelung irgendwo auch und jetzt irgendwie hier neu anfangen. Und dann merken wir, toll, aber jetzt verbringe ich schon wieder das Wochenende nur im Bett, wie damals als ich… Ich will dir jetzt überhaupt nichts in den Mund legen oder sagen, das ist bei dir auch so, aber deswegen fand ich das so interessant, dass du gerade gesagt hast, Erwartungshaltung und vielleicht auch mit diesem, mit dieser Anstrengung der letzten Monate, unterbewusst ist da immer mitgelaufen, okay, wenn wir dann erstmal hier sind, dann wird alles leichter. Nicht, dass es magisch passiert, aber es ist eine andere Perspektive und ein anderes Setting und es ist dann auch eine andere Jahreszeit. Aber dass du jetzt quasi hier sitzt und merkst, auch wenn wir hier sind, ändert das aber ja gar nichts daran, dass es Phasen gibt, wo ich einfach auf Auftraggeber warten muss, wo du ja nicht drum rum kommst. Ja. Ja. Weißt du, was ich jetzt vielleicht ein bisschen will?

Manu: Nee, nee, doch. Ich weiß, was du meinst. Das ist so ein bisschen diese Erkenntnis. Man nimmt seine Probleme mit.

Rachel: Ja, oder so wie mit der Menstruation. Also es ist ja nicht… Warum sollte mein Körper jetzt plötzlich, nur weil wir in Leipzig sitzen und hier eine Wohnung haben, nicht genauso das Schwerhaben zu inspirieren. Also es ist ja…

Manu: Ich glaube, ich stimme dir total zu. Ich glaube, bei mir ist das Problem, dass ich da weniger reflektiert rangegangen bin, also dass ich eher so mir die ganze Zeit auf 1 rationalen Ebene das schon gesagt habe. Und schon die ganze Zeit irgendwie auf 1 rationalen Ebene gesagt habe, dadurch wird sich unsere Situation nicht ändern, wenn wir hier sind. Unsere Lebensrealität wird sich dadurch in Maßen, aber jetzt natürlich nicht grundlegend ändern. Aber ich glaube, drunter liegt noch ein sehr kindlicher Wunsch.

Rachel: Dieser Hoffnungsschimmer.

Manu: Und ich hatte neulich tatsächlich, ich schreibe gerade wieder recht viel und schreibe auch wieder wieder Texte und und und Songs Texte und ich habe ich hatte neulich einen Satz und er geht mir seitdem auch nicht mal aus dem Kopf ich habe ihn auch schon eingebaut in den Text aber es gibt den Satz den Ausspruch die Zeit heilt alle Wunder, äh ne die Zeit heilt alle Wunden und dann gibt es die Abwanderung die Zeit heilt alle Wunder und ich hatte die Zeit heilt alles Wunschdenken. Und ich glaube, das ist genau der Punkt daran, dass das halt unter meinem sehr rational, also zwanghaft rationalen…

Rachel: …Hypermeter reflektierten

Manu: Ja, genau. Und ich muss da jetzt irgendwie auch alles in mir so zusammenhalten, weil wir sind in dieser Umbruchphase und das muss jetzt irgendwie gut funktionieren. Natürlich wird sich das nicht ändern und so. Aber genau darunter war halt dann die ganze Zeit, glaube ich, so diese Hoffnung von vielleicht ja doch. Vielleicht ist es ja das Wunderheilmittel.

Rachel: Leipzig ist das Wunderheilmittel für alle.

Manu: Aber du weißt wahrscheinlich, dass es voll ist.

Rachel: Ja voll. Deswegen ist mir das, glaube ich, jetzt am Wochenende so schwer gefallen, oder jetzt irgendwie hier zu sitzen. Ja, aber was ja auch diese letzten 6 Monate nicht weniger wichtig macht oder was auch jetzt diese Tatsache, dass wir jetzt hier sind, ja auch hoffentlich nicht kleiner macht. Nein, nein. Nein, nein. Ja, aber es ist auch da wieder so eine Ambivalenz. Es ist okay, ja stimmt, man nimmt das Wunschdenken mit, es ist aber halt Wunschdenken. Man muss halt gucken, was man selber daraus macht und wie viel auch in der eigenen Hand liegt. Und viele Sachen ändern sich halt dann nicht unbedingt, nur weil man jetzt eine andere Postleitzahl hat.

Manu: Ja, das sowieso und wie viel Kraft man auch hat.

Rachel: Ja, wie viel gerade überhaupt geht.

Manu: Ja. Und ich habe natürlich gedacht, und ich glaube das war auch ein Trugschluss, jetzt ist der Umzug rum, jetzt sind wir in unserer ganz eigenen Wohnung. Ja klar hab ich jetzt unendlich viel Energie, weil jetzt ist es ja erledigt. Ja klar, jetzt kann ich ja richtig loslegen. Wie? Jetzt geht’s nicht richtig los. Aber so, weißt du, das ist, glaube ich, auch noch zusätzlich. Wow, Alter. Heute Deep Talk.

Rachel: Psycho-Folge. Ja, und dafür, dass wir dann doch ab und an miteinander reden, interessant, dass wir uns so viel die Woche nicht gesagt haben. Schön. Schön, dass sich das dann hier offenbart.

Manu: Ja. Ja. Vielleicht kann ja jemand was damit anfangen.

Rachel: Vielleicht kann uns jemand helfen. Ist das auch dieses Wunschdenken? Vielleicht ist da jemand da draußen, der uns mal die Hand nimmt und sagt, okay, das passiert jetzt. Das müsst ihr machen da und da müsst ihr warten, aber sonst…

Manu: Ich glaube, das müssen wir selber machen tatsächlich.

Rachel: Alles gut. Passt schon.

Manu: So ein universelles Alles wird gut. Wär irgendwie gut, wenn es sowas gäbe. Aber ich glaube, das würde sich jeder wünschen.

Rachel: In der nächsten Folge sprechen wir dann über Religion und Glauben.

Manu: Oh shit, stimmt. Da gibt es ja was, aber nee. Das funktioniert bei mir nicht. Nee.

Rachel: Okay, dann doch nicht.

Manu: Okay.

Rachel: Oh, dabei wäre nächste Woche Montag, Ostermontag. Ich krieg irgendwie den Spin rein. Irgendwie reden wir nächste Woche auch noch über Jesus. Ich krieg’s irgendwie hin.

Manu: Ja, wir können ja, wegen mir können wir nächste Woche auch ein bisschen über Religion quatschen. Das ist auch okay. Religion in der Selbstständigkeit. Hä? Was? Okay. 

Rachel: Wir lassen uns selbst noch überraschen was da kommt schön ja das war folge 55

Manu: alles klar wir sehen uns ostern

Rachel: Vielleicht sehen wir uns auch schon vorher.

Manu: Ja, wahrscheinlich. Jeder hat jetzt zwar seinen Raum, aber wir sehen uns bestimmt mal zwischendurch.

Rachel: Alles klar. Gut. Passt auf euch auf.

Manu: Ja, habt eine gute Woche.

Rachel: Ja, macht’s euch schön. Genießt den Frühling.

Manu: Ja, das mache ich jetzt auch.

Rachel: Wir gehen raus. Ja. Wir haben einen Baum vor den Fenstern, der jetzt seit 2 Tagen endlich die Blätter rauskommt. 

Manu: Weißt du, wie sich das gerade anfühlt? Wie wenn man bei einem Telefonat nicht auflegen kann.

Rachel: Ich weiß, aber ich schaue die ganze Zeit schon raus und ich finde es so schön, dass die Sonne da jetzt auf diese zarte, blass, hellgrün scheint und das so richtig leuchtet.

Manu: Das ist echt schön.

Rachel: Also sucht euch einen Baum, setzt euch drunter und freut euch über das Grün.

Manu: Und denkt  ein bisschen an Jesus.

Rachel: Achso, genau, denkt ein bisschen an uns. Überlegt mal, wie wir unsere Probleme lösen könnten. Und meldet euch halt bei uns.

Manu: Nein, bitte nicht. Nein.

Rachel: Machen wir selber.

Manu: Ja, machen wir selber. 

Rachel: Jetzt du legst auf.

Manu: Okay, nein, du legst auf. Ah, stimmt, ich muss ja auflegen.

Rachel: Ich muss immer auflegen. 

Manu: Tschüss. Tschüss. Tschüss!

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