#068 – Kann man auch einfach nur „okay“ sein? Gegen das „höher, schneller, weiter“-Narrativ

Warum ist die sogenannte vermeintliche "Spitze" so oft das Maß aller Dinge - und nicht das Mittelmaß? Wie kommen wir nicht nur aus dem Hamsterrad raus - sondern zerschlagen es? Und was genau ist ein SlowPreneur? Die Frage im Titel ist natürlich rhetorisch, denn Du bist vollkommen okay, wenn Du okay bist. ♥️

Transkript

Rachel: Guten Hallo.

Manu: Guten Hallo. Na guten Hallo aber auch.

Rachel: Ich wollte es nicht so tageszeitspezifisch machen, dann als mir aufgefallen ist, dass ich schon angefangen habe mit dem Satz. Guten Hallo.

Manu: Einen guten Buongiorno wünsche ich.

Rachel: Salü. Salü. Hallo, Folge 68. Ja. So schnell kann es gehen.

Manu: Ja, jetzt haben wir bald die 70 voll. Crazy. Crazy. Wirklich crazy. Bin ein bisschen stolz auf uns.

Rachel: Ja, vor allem, dann ist es ja nicht mehr weit zu 100.

Manu: Was machen wir dann? Dann fangen wir von vorne an. 

Rachel: Genau, dann fangen wir wieder von vorne an, sprechen über alles noch. Nein, Du jetzt lass uns erstmal die 78 machen. Oder die 68. Lass uns mal die 68 erstmal machen.

Manu: Die 68er.

Rachel: Genau. Schön. Wie geht’s dir?

Manu: Ganz gut. Ich bin müde heute. Aber nicht mehr so müde wie die letzten Tage.

Rachel: Sehr schön. Ich hab dich gar nicht gefragt, wie lange du geschlafen hast.

Manu: Ja, ich hab ein bisschen Schlaf nachgeholt heute Nacht.

Rachel: Wie viel denn? Hast du…

Manu: Ähm… Stabile 7 Stunden.

Rachel: Oh, schön.

Manu: Luxus. Was im Vergleich zu den Nächten davor echt… Ist gut.

Rachel: Sehr gut. Das freut mich für dich.

Manu: Ja, genau. Insofern bin ich vergleichsweise munter. Im Vergleich zu den letzten Tagen.

Rachel: Munter ist auch so ein Wort, das ich schon lange nicht mehr… Munter.

Manu: Munter. Ein Munter-Macher.

Rachel: Das ist so. Wand-Tattoo-Style.

Manu: Espresso-Cappuccino-Munter-Macher.

Rachel: Wir haben gerade vor der Aufnahme schon ein bisschen recherchiert, weil unser kleiner Espressokocher hat seine besten Tage hinter sich.

Manu: Der ist durch.

Rachel: Und ich habe gesehen, dass man ganz vielen neuen Espressokocher, dass man die auch gravieren lassen kann. Jetzt habe ich gerade überlegt, ob wir Muntermacher schreiben.

Manu: Muntermacher oder R2D2, wenn ich mich durchsetzen kann?

Rachel: Das hat überhaupt nichts mit Kaffee zu tun.

Manu: Das stimmt, aber das wäre cool.

Rachel: Ich merke schon, wir haben 2 unterschiedliche Standards von cool.

Manu: Wenn wir irgendwann einen Staubsaugroboter haben, dann R2D2. Ja. Aber das kommt mir nicht ins Haus. Nee. Das kommt mir nicht ins Haus.

Rachel: Dafür hast du… Also das…

Manu: Ne. Dafür staubsaug ich zu gerne. Ne, ich lass das jetzt einfach mal so stehen. Okay, cool. Ja, gut. Schön. Wie geht’s dir?

Rachel: Ähm… Gut. Ich hatte… Wie geht’s dir? Gut. Ich hatte gestern so einen kleinen Durchhängertag. Ich habe aber die Vermutung, dass es zum einen einfach daran lag, dass Montag war, die einfache Erklärung zu bieten. Und ich auch echt seit langem wieder richtig so Kopfschmerzen hatte. Also ich war wahrscheinlich wetterbedingt, so blöd das jetzt klingt, aber das habe ich gestern echt ein bisschen gelitten und dann einfach dazu eine Arbeit viel in Excelisten rumwühlen, Kram. Das war gestern ein bisschen unbefriedigend, vor allem auch nach einem Wochenende, wo auch echt viel los war und ich jetzt auch noch nicht so die Regenerationsphase hatte. Du warst am Wochenende unterwegs und ich hatte am Samstag ehrenamtliche Verpflichtungen. Und ich habe dann echt gemerkt, als du Sonntag wiedergekommen bist, und wir haben auch viel darüber geredet an dem Nachmittag, dass ich mich dann erst richtig entspannen konnte, als du da warst. Und ich glaube, das war einfach zu kurz. Und es hat auch was, diese Erkenntnis hat auch ein bisschen was in mir angestoßen, was glaube ich jetzt noch nacharbeitet, einfach. Also ich zer… Ich wollte gerade sagen, zerbrösel mir jetzt nicht den Kopf darüber. Wie heißt das?

Manu: Zerbreche.

Rachel: Ich zerbrösel mir jetzt nicht den Kopf darüber. Aber es bröckelt unterbewusst ein bisschen.

Manu: Du hast dich ein bisschen erschrocken.

Rachel: Ja, das war jetzt echt das erste Mal seit sehr langem, seit 3 Monaten ungefähr, kommt hin, Dass wir mal irgendwie ein, 2 Nächte getrennt voneinander verbracht haben. Ja, und das hat mich ein bisschen erschrocken, wie sehr das mir dann doch irgendwie scheinbar zugesetzt hat. Zugesetzt ist zu groß, aber dass es mich so beeinflusst hat.

Manu: Naja, ich glaube, das war aber auch eine Kombination der Umstände. Ich glaube, wenn dein Wochenende auch anders ausgesehen hätte und du ich sag mal mehr Zeit für dich gehabt hättest, dann wäre das auch ein bisschen anders gewesen.

Rachel: Ja, das stimmt. Das stimmt.

Manu: Also ich glaube wirklich, dass das einfach auch ein bisschen, dass man die Umstände da auch nicht vergessen darf. Und dann ist es ja manchmal auch der Moment, wo man sich dann entspannen kann, wenn man halt dann jemanden da hat, mit dem man plötzlich wieder darüber reden kann.

Rachel: Das stimmt. Genau, aber so geht’s mir letztendlich gerade. Also es ist okay. Cool. Jetzt ist so ein bisschen die Frage, machen wir sonst noch einen größeren Wochenrückblick oder steigen wir ins Thema ein? Weil eigentlich…

Manu: Ich würde ins Thema einsteigen.

Rachel: Schon? Einfach jetzt mal direkt straight rein?

Manu: Ich habe nicht viel zu erzählen von meiner letzten Woche. Insofern gehen wir rein und ich finde ehrlich gesagt, dass das Thema ja auch ganz gut zu dem passt, was du vorhin gesagt hast oder was du jetzt auch berichtet hast mit dem Entspannen und Nicht-Entspannen-Können und so. Und wir hatten gestern auch nochmal so einen kurzen Moment, auch wieder so dieses Thema von, und das haben wir irgendwie immer so ein bisschen abwechselnd, so dieses Thema von, darf ich denn jetzt schon Feierabend machen? Darf ich denn jetzt schon Pause machen? Ja. Darf ich denn jetzt schon für heute aufhören zu arbeiten? Weil eigentlich bin ich noch selbstständig und eigentlich muss ich doch reinpowern und eigentlich muss ich doch machen, machen, machen, damit ich da irgendwann irgendwo hinkomme. Und das ist eigentlich schon die Einleitung zu unserem Thema.

Rachel: Und es ist ein Thema, das jetzt nicht komplett neu ist, das wir in Nuancen oder in anderen Perspektiven schon beleuchtet haben ein, zweimal. Aber so ein bisschen mal mit einem anderen, Allein schon mit einem anderen Wording, finde ich, was schon so die Grundstruktur oder auch nochmal eine andere Perspektive drauf aufmacht.

Manu: Und ich möchte das noch ergänzen, dieses Thema wird immer wieder in unserem Podcast aufkommen, weil es ist auch ein Thema, das sich für uns auch immer neu entwickelt und wo wir auch immer wieder neue Erkenntnisse dazu haben und neue aktuelle Gefühle dazu haben. Und deswegen glaube ich, würde ich mir jetzt auch nicht verbieten, da in einem halben Jahr nochmal darüber zu reden.

Rachel: Nein, nein, überhaupt nicht. Vor allem ist es ja auch einfach auch so ein Grundpfeiler. Jetzt tun wir gerade so, als würden wir das voll antisen, dabei steht es wahrscheinlich einfach im Titel der Folge. Ja, ja. Aber zu dem Zeitpunkt wisst ihr vielleicht schon, worüber wir sprechen, aber es ist ja ein Grundpfeiler unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Ja, schon. Also es ist, glaube ich, wirklich, das habe ich jetzt in der Vorbereitung zu der Folge, yes, endlich konnte ich es mal sagen, habe ich das nochmal gemerkt, wie tief uns das auch auf 1 individuellen Ebene durchwirkt. Und allein deswegen wird es uns, glaube ich, immer wieder begegnen, da wir das jetzt nicht abfrühstücken und sagen, so jetzt ist es irgendwie fertig, sondern wir da auch immer mehr dazulernen oder nochmal mehr Perspektiven oder aktuelle Gegebenheiten in unserem Alltag und Leben uns da einfach nochmal draufstoßen werden.

Manu: Ich finde jetzt ist es auch an der Zeit, dass wir es einmal kurz nennen. Kann man auch einfach nur okay sein gegen das besser, größer, schneller Narrativ?

Rachel: Ja.

Manu: Genau. Was sind deine ersten Gefühle dazu?

Rachel: Als wir uns da vor ein, 2 Wochen hingesetzt haben und diese Themensammlungen auch schon mal angelegt haben, so was worüber können wir in naher bis mittlerer Zukunft mal sprechen, habe ich gemerkt, dass das, deswegen freue ich mich auch, dass wir das jetzt so zügig angegangen sind, wirklich was ist, was total mit mir resoniert. Weil eigentlich ist es natürlich eine rhetorische Frage. So. Also natürlich kann man auch nur okay sein. Und ich, das ist jetzt mal die erste Einschätzung zu der Frage. Und ich finde nämlich, dass es so vielschichtig ist, wenn man sich da mal mehr mit diesem Thema auseinandersetzt. Das ist ja zum einen wirklich dieser Blick nach außen und des Vergleichens. Also gerade der zweite Teil, höher, schneller, weiter, ist ja oft darauf gemünzt, dass wir uns vergleichen mit anderen. Da geht es ja selten darum, dass wir wirklich den Vergleich mit uns selbst irgendwie ansteuern und sagen, ich will in 3 Jahren höher, schneller weiter sein, als ich es jetzt bin. Also auch, das ist da irgendwie mit drin, aber eben, weil wir das Gefühl haben, wir müssen ja mit den anderen mitgehen und unsere Gesellschaft ist ja darauf ausgelegt, Wachstum und Also das ist wirklich so dieses, und das meinte ich eben gerade auch schon, dass, wenn man sich da mal wirklich mit aktiv auseinandersetzt und da mal sich Zeit für nimmt, zu merken, wie krass unsere neoliberale kapitalistische Wirtschaftsweise, wie wir diese Welt irgendwie auch sehen, uns bis aufs Individuum prägt und nicht nur in unserer Arbeit, sondern auch in unserem Selbstwert. Weil das ist ja dieser erste Teil dieser Frage, so kann man auch nur okay sein, hat ja auch ganz viel damit zu tun, was wir uns für einen Selbstwert zuschreiben und

ob das überhaupt sein muss. Du kannst nachher noch sagen, ob dir das zu tief geht oder ob du da …

Manu: Nein, überhaupt nicht.

Rachel: Aber ich finde, das ist mir gestern noch einmal aufgefallen, dass das total zu dem Thema passt, was wir letzte Woche hatten. Da hattest du ein paar Tage einen kleinen Durchhänger und dann haben wir an einem Abend dann nochmal darüber gesprochen Und haben auch gemerkt, so dieses, ja, es ist halt so oft so schwierig, die ganze Zeit etwas zu sein. Wie bin ich denn? Also wie bin ich? Ich bin halt nur okay, so. Statt mal komplett ohne Wertzuschreibung oder ohne Bewertung zu sagen, ich bin halt so, wie ich bin. Und das ist schon vollkommen ausreichend. Also…

Manu: Ja, darf ich da ganz kurz reinkretschen?

Rachel: Bitte, Ja, ich hab jetzt ein bisschen gebabbelt.

Manu: Nee, das ist total gut, was du sagst, aber das Ding ist, dass wir, das was wir letzte Woche besprochen hatten, ging sogar noch weiter, dass wir, oder ich, ich rede jetzt nur mal von mir, ich definiere mich als Mensch über die Ansprüche, die ich an mich selbst habe. Und ich gebe mir selbst auch nur den Wert über die Ansprüche, die ich an mich selbst habe. Und das ist ein ganz großes Problem, weil ich letzte Woche gemerkt habe, ich weiß nicht, wer ich bin ohne meine Ansprüche an mich selbst. Und ich glaube, dass ich damit definitiv nicht allein bin. Und das ist das ganz große Problem. Oder was heißt Problem, aber das ist ja die Grundlage für unsere Fragestellung. Und weswegen wir die Fragestellung ja auch so formuliert haben. Diese Angst vor Mediocre. Also diese Angst davor, mittelmäßig zu sein und die so tief in uns allen drin ist. Und da hast du total recht, das hat gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Hintergründe einfach, dass es so tief in uns drin ist. Das ist mega, mega tief verankert.

Rachel: Ja, weil Es ist ja auch so, diese Frage, warum, wenn man jetzt einfach nur die Worte, die Sprache betrachtet, so dieses, ist es okay, ist es okay, oder, nee, ist es, nicht ist es okay, wenn ich okay bin.

Manu: Es ist in Ordnung.

Rachel: Es ist in Ordnung, wenn ich okay bin. Oder nur okay bin. Ich meine, denke so, das impliziert ja, dass okay negativ ist, schlecht

Manu: Nur.

Rachel: Nur, genau. Also es macht etwas kleiner, als es eigentlich ist. Und eine Mittelmäßigkeit, das ist ja eigentlich auch nur, Das ist ja letztendlich, kommt ja aus der Statistik. Also wir haben einfach eine Masse, wir haben eine Menge und da gibt es einen Durchschnitt, da gibt es ein Mittelmaß. Und in dem zu sein, ist ja vollkommen richtig und in Ordnung, weil es gibt welche, die sind drüber und es gibt welche, die sind drunter und irgendwo mittelt sich es halt ein. Und auch sprachlich eben zu sehen, okay, also diese Abkürzung kommt ja von diesem all correct. Also es ist alles korrekt, es ist alles richtig. Aber immer dieser Wunsch, nee eigentlich muss ich höher, schneller, weiter sein.

Rachel: Ich muss mehr als okay sein. Okay ist nicht genug.

Manu: Das ist ja nicht nur ein Wunsch, das ist sogar noch mehr.

Rachel: Ja, aber dieses…

Manu: Das ist ein Druck.

Rachel: Dieses, ja, ich denke mir, eigentlich muss man… und auch da, da kommt dann wieder auch diese Perspektive rein, so dieser Perfektionismus. Dieses muss nicht perfekt sein, es reicht, wenn es vollkommen okay ist.

Manu: Und da habe ich mir tatsächlich auch aufgeschrieben in meiner Vorbereitung. Ich jetzt ganz persönlich habe das so lange mit mir rumgeschleppt, diesen Anspruch höher, schneller, weiter, dass ich immer das Gefühl hatte, dass der Stand, an dem ich gerade bin, aktuell, jetzt gerade bin, von meinem Können her, von meinem Wissen her, dass das nicht ausreicht. Und dass ich nicht genug bin und dass ich viel mehr können muss, überhaupt der Welt sagen zu dürfen, hallo hier bin ich, das ist das, was ich kann. Und das wurde dann immer zu so einem großen Berg, der mir bevorstand, dass das mich total gelähmt hat. Und das war wie so eine Spirale. Das war wie so ein Kreislauf. Also mich hat dieses besser, größer, schneller Narrativ, was so tief in mir drin war, nicht motiviert, sondern im Gegenteil gelähmt. Deswegen stehe ich dem auch echt feindselig gegenüber. Und allen Leuten, die das vor sich her tragen.

Rachel:

Die das so Gebetsmühlenartig…

Manu: So mantra-mäßig.

Rachel: Genau, so bewusst mit 1 Flagge vor sich hertragen und sagen, das ist das goldene Kalb.

Manu: Und vor allem völlig unreflektiert, was das eigentlich heißt. Und das ist meine persönliche Erfahrung mit diesem Narrativ, dass es mich vollkommen gelähmt hat. Und mich auch viel Zeit gekostet hat dadurch im Endeffekt. Weil das ist genau der Punkt. Man ist durch dieses Narrativ nicht schneller in seiner Entwicklung. Im Gegenteil. Ich habe sogar die These, dass man eigentlich damit langsamer wird. Weil man viel größere Absturzphasen zwischendrin hat, wo man ausgebrannt ist oder whatever.

Rachel: Also dass das eigentlich eher so ein Backlash ist. Ja und gerade in der kreativen Arbeit, wo du ja eigentlich Wissen solltest, dass Vergleiche schon viel schwieriger sind, weil Kreativität, künstlerische Arbeit lässt sich nicht vergleichen miteinander. Es gibt bestimmte Dinge, wo man vielleicht handwerklich sagen kann, ja, das ist vielleicht ein bisschen korrekter gearbeitet oder da ist man vielleicht schneller zu einem gewissen Ergebnis gekommen, weil einfach bestimmte Handgriffe schon besser sitzen. Aber das ist sowieso in dieser kreativen Arbeit, das Vergleichbarkeit schon mal ziemlich schwierig. Und vor allem, und das ist dann auch dieses, auch nochmal so ein anderer Blick drauf, dieses Vergleichen höher, schneller, weiter. Damit fangen wir uns ja an, mit dem Überdurchschnitt zu vergleichen.

Manu: Was ist überhaupt der Überdurchschnitt?

Rachel:  Dieses, wenn wir sagen, okay, reicht nicht, Also Mittelmaß reicht nicht aus. Das heißt, man vergleicht sich immer mit etwas, was drüber ist. Und das ist, erstmal vergleicht man sich ja immer mit Highlights, weil Leute ja selten wirklich über auch die Schattenseiten dann sprechen, die da dahinter stehen. Über die Schattenseiten sprechen, die dahinter stehen. Und auch auf dieser individuellen Ebene ganz viel ausgeblendet wird. Warum so viel Mittelmaß? Mittelmaß hebt sich ja auch, wenn die ganze Menge höher, schneller, besser wird. Aber dieses Mitdenken wirklich von persönlichen, individuellen Grenzen, Das ist ja auch sowas anzuerkennen und zu sagen, ja in gewisser Weise in manchen Dingen werde ich vielleicht einfach immer nur okay sein weil ich eine bestimmte Förderung oder wie auch immer, Talent in Anführungsstrichen, konnte nicht früh genug gefördert werden. Wenn man jetzt auf so eine Entwicklungsgeschichte geht oder man hat einfach andere Verpflichtungen oder man macht eine gewisse Arbeit oder Selbstständigkeit vielleicht auch nur nebenberuflich oder hat einfach andere Verpflichtungen, weswegen man noch, also Es ist ja auf so 1 individuellen Ebene, lassen sich selten 2 Biografien 1 zu 1 miteinander vergleichen. Und dann kommen auch gesundheitliche Themen dazu, also sowohl psychisch als auch physisch zu sagen, auch da können nicht alle immer die gleichen 100% geben, wenn man das denn überhaupt will. Ich finde es auch vollkommen okay und gerechtfertigt zu sagen, nee 100% für meine Arbeit will ich überhaupt nicht geben, weil ich bin vollkommen fein. Das ist eigentlich fast so ein bisschen mein Ziel, dass ich irgendwann dahin komme zu sagen, ich bin vollkommen fein damit okay zu sein. Ich muss nicht die Beste in dem sein und ich kann diesen Anspruch, die Beste zu sein, gehen lassen, weil gibt’s nicht. Die beste gibt’s nicht.

Manu: Das ist, das finde ich sowieso, das ist ein ganz großer Punkt, der total unterschätzt wird, weil, wie du gerade gesagt hast, es gibt selten 2 Biografien, die 1 zu 1 vergleichbar sind. Genauso verhält es sich ja auch mit, wenn wir jetzt wirklich beim Berufskontext bleiben und bei dem, was man arbeitet als Selbstständiger, man hat sich ja nicht umsonst wirklich so eine, und das ist glaube ich bei jedem Selbstständigen oder jeder Selbstständige so, man hat sich ja so eine Nische erarbeitet. Also die eigene Arbeit ist ja an so vielen Stellschrauben ganz individuell konstruiert und konzipiert. Deswegen ist ja auch ein Vergleich da völlig absurd. Also zu glauben, jetzt in meinem Fall, klar bilde ich mich gerne weiter aus Interesse, aus Freude, weil ich das will. Aber dieser Druck zum Beispiel bei mir, ich muss viel, viel besser werden in bestimmten Fähigkeiten und mich damit vergleiche mit anderen, das ist immer so übergeordnet und das hat mit meinem Arbeitsalltag, mit der Realität meines Arbeitsalltags eigentlich herzlich wenig zu tun. Weil die Fähigkeiten, die ich habe, die machen mich zu einem Spezialist in der Arbeit, so wie ich sie ausübe. Und das ist erstmal eigentlich vollkommen okay. Weil Da gibt es überhaupt keinen Vergleichswert. Keiner arbeitet so wie ich. Das ist einfach so. Und mit den Mitteln und auf die Art und Weise, wie ich das tue. Ich glaube, deswegen muss man auch gerade in der Selbstständigkeit voll aufpassen mit Vergleichen. Weil es gibt niemanden, der genau das gleiche macht wie man selbst und auf genau die gleiche Art und Weise.

Rachel: Genau, vor allem eben auch in der kreativen, also in der Kreativwirtschaft. Also wenn da diese ominöse, variable Kreativität dazu kommt, dann ist es einfach auch noch mal viel weniger vergleichbar. Ich hatte gerade einen Gedanken, eben als du nochmal das speziell auf die Selbstständigkeit gesetzt hast und dieses Hörschneller, Weiter, Narrativ. Das ist jetzt mal eine These. Ich denke jetzt mal laut, dafür ist halt dieser Podcast auch da. Ich kann, geh da mit dir mit oder ich kann das total nachvollziehen, zu sagen, in der Selbstständigkeit funktioniert das sowieso nicht. Und ich möchte jetzt nochmal einmal diesen Blick auf Arbeitnehmer-Angestellten-Verhältnisse setzen. Weil ich glaube, da ist halt dieses höher, schneller, weiter denken, Ding, ja auch ein Zeichen dafür, was sind Entwicklungschancen, Entwicklungsmöglichkeiten für eine gewisse Position, wo du bist. Und wenn du halt sagst, Du gehst mit diesem Anspruch, mit diesem Vergleichen höher, schneller, weiter. Ich will mehr Geld, ich brauche eine andere Position. Das ist ja klassisch Karriereleiter. Das ist für so ein Entwicklungspotenzial, entweder stehen da halt bestimmte Interessen, Bedürfnisse, monetär, etc. Dahinter. Das ist halt das Ziel, sich weiterzuentwickeln oder da hinzukommen, befördert zu werden. Oder es ist halt dieser Wunsch danach, Eine Beförderung ist für mich wichtig, weil ich das Gefühl von Weiterentwicklung in meinem Job habe. Dieses Stagnieren, also nicht irgendwie 10 Jahre lang, wenn ich mich sehr stark über Arbeit definiere, was in unserer Gesellschaft medial, soziologisch ja auch einfach stark passiert.

Manu: Und aktueller denn je mit der aktuellen politischen Debatte.

Rachel: Genau, Leistungsträger in der Gesellschaft und so. Es ist ja auch so, dass es fast von dir erwartet wird, dass du jetzt nicht sagst, ich habe einen Job mit dem bin ich vollkommen fine, das mache ich jetzt, bis ich in Rente gehe. Das passiert ja auch immer weniger. Es werden viel mehr Jobs gewechselt, weil man eben eine Entwicklungschance darin sieht, also Karriereleiter weiter nach oben zu steigen. Und ich glaube, das ist eben der große Unterschied dann wiederum zwischen Angestellten oder Arbeitnehmern und Selbstständigen, gerade Solo-Selbstständige, die halt sagen, ich habe so meine Arbeit, meinen Arbeitskosmos komplett mich herum, ich habe keine Verantwortlichkeiten oder kein großes Team, das ich mich jetzt auch noch dann kümmern muss. Ein Selbstständiger kann ja viel freier entscheiden, in welche Richtung er sich entwickeln will. Also dann zu sagen, jetzt habe ich irgendwie 3 Jahre lang das gleiche Angebot gemacht, ich nehme jetzt noch was dazu. Oder ich schmeiße was weg, worauf ich überhaupt keinen Bock mehr habe. Oder ich gehe jetzt noch mal in eine Nische rein, die mich noch mehr interessiert. Oder ich mache, ich habe jetzt viel 1 zu 1 gemacht, ich mache jetzt irgendwie mehr im Gruppenszenario, wenn ich jetzt Dienstleister bin. Also dieses, ich glaube, da eine gewisse Autonomie zu haben, in der inhaltlichen Arbeit, in der Entwicklung, in diesem, ich könnte jetzt morgen, nächste Woche auch aufwachen und sagen, ich baue mir jetzt was komplett Neues auf. Nicht, dass ich das nicht auch schon getan hätte, aber Bei Angestellten ist halt dieses Gefühl, das ist ja so eine steile These und ich hoffe, ich trete da niemandem zu nahe, die dann dahinter stehen, ist die Passade oder das das Hoffen 1 gewissen Autonomie in der eigenen Arbeitsbiografie, in der eigenen Entwicklung. Darüber kann ich ja entscheiden, arbeite ich auf eine Beförderung hin? Das ist ja meine Entscheidung, das ist meine Autonomie, da finde ich eine Unabhängigkeit, da kann ich Einfluss nehmen oder sage ich, ich bin vollkommen okay damit, okay zu sein und einfach auf der Stelle zu bleiben, auf der ich bin. Mich da jetzt gar nicht groß weiterzuentwickeln und vielleicht eben mal, gibt es mal Inflationsanpassungen ans Gehalt, aber ich bin eigentlich fein damit. Also ich, das ist jetzt die steile These, dass das eigentlich höher, schneller, weiter einfach nur ein anderer Ausdruck von diesem Autonomiebedürfnis ist. Ich habe die Möglichkeit, da selbst Einfluss drauf zu nehmen, wohin ich mich entwickle. Manchen funktioniert es, bei manchen funktioniert es nicht. Aber es ist halt immer dann doch wieder eine Abhängigkeit an einen Arbeitgeber, der dir halt sagt, das sind deine Limits oder das und das geht halt nicht.

Manu: Deswegen gehen ja diese ganzen Business-Larrys, die mir so auf den Sack gehen, mit dem Höher-Schneller-Weiter ja auch immer mit der Argumentation, raus aus dem Hamsterrad, in so Debatten rein. Also oder beziehungsweise bewerben ja ihre Programme und Bücher und der ganze andere Bullshit genau damit, also dass derjenige, der praktisch in der Anstellung ist, im Hamsterrad ist und eigentlich nur mehr Autonomie im Hörschneller weiter braucht, es da raus zu schaffen. Und das spielt ja auch…

Rachel: Vor allem ist es halt auch so, Das ist das, was mich echt wütend macht. Das ist dann wieder so diese Individualverantwortlichkeit. Du kannst, also du musst ja natürlich das Programm für teuer Geld kaufen, aber du kannst raus aus dem Hamsterrad, weil da geht ja dann jemand anderes für dich rein. Und ich mir denke, können wir uns hier einfach alle darauf einigen, dass wir das Hamsterrad kaputt machen.

Manu: Free the Hamster.

Rachel: Ja, weißt du was ich meine? Voll, voll, voll. Scheinbar haben wir alle keinen Bock auf Hamsterrad. Wir können einfach lernen, okay zu sein. Wer die Ressourcen hat, die Möglichkeiten, die Bedürfnisse soll nach seinem, ihrem ermessen und Möglichkeiten sich entwickeln, wie man kann und möchte. Aber es muss auch vollkommen okay sein, okay zu sein. Also dieses, ähm, den, das ist ja auch dieses, den eigenen Wert von der Arbeit zu entkoppeln.

Manu: Genau, da, da wollte ich jetzt nämlich gerade hin. Ja, absolut, das ist total wichtig. Das ist wirklich, und das ist für mich, ich bin da noch weit entfernt davon.

Rachel: Ja, ja.

Manu: Aber es ist etwas, was mir extrem auf den Keks geht. Die Definition meines eigenen Werts über meine Arbeit und dass ich das auch als Selbstständiger habe, das nervt mich so stark. Also ich bin da jetzt nicht wütend auf mich selbst, weil ich weiß ja auch, dass das etwas ist, was ich halt gelernt habe, was tief in mir drin ist und was irgendwie so eine Grundeinstellung ist, die man irgendwie hat. Aber es ist etwas und deswegen nervt mich diese aktuelle Arbeitsdebatte auch auf politischer Ebene so sehr, weil es spielt mit so krassen Grundinstinkten oder beziehungsweise mit so Grundwerten von Menschen, die nur schädlich sind. Und das ist so fies. Das ist so fies, weil es wirklich einfach mit der Angst spielt.

Rachel: Es werden Menschen gegeneinander ausgespielt. Ja, genau. Das ist die Schwierigkeit, dass uns lange Thema Liberalismus gesagt wurde, es ist die eigene individuelle Verantwortung und durch höher, schneller, weiter. Wenn du dich nur genug anstrengst, dann kannst du gesellschaftliche Grenzen überwinden. Und oder gesellschaftlich teilhaben. Genau, teilhaben oder du kannst überwinden und du kannst aufsteigen in der Gesellschaft. 

Manu: Und hast noch mehr Freiheit, je mehr Kapital du erwirtschaftest, desto mehr Freiheit.

Rachel: Genau, und das ist halt ein Lügenmärchen. Wir haben halt unsere Gesellschaft nicht mitentwickelt. Wir haben diese Möglichkeit auf Gleichheit ja auch nicht.

Manu: Genau, es ist ja vor allem immer nur an die Freiheit gedacht worden. Also mehr Kapital ist gleich Freiheit. Deswegen höher, schneller, weiter. Du ganz individuell, weil dann kriegst du mehr Freiheit. Und was komplett vergessen wurde, ist, dass Freiheit nur auch mit Gleichheit funktioniert im Einklang, gesellschaftlich gesehen, auf Dauer. So, weil wenn die Gleichheit hinten angestellt wird, dann passiert genau das, dass es nur noch Konkurrenzdenken geht und nur noch jeder höher, schneller, weiter will. Aber es können halt – wie geht der Spruch? Alle können es schaffen, aber nicht jeder.

Rachel: Oh ja, ja.

Manu: So, und genau da sind wir halt. Und genau das macht dieses höher, schneller, weiter denken. Das zieht genau darauf ab. Und das ist auch genau das, was wir jetzt gerade wieder ganz top aktuell haben. Dass jetzt gerade eigentlich bei dieser ganzen Debatte auch Bürgergeld und so, es wird genau damit gespielt, du bist nur etwas wert, wenn du höher, schneller, weiter machst. Ansonsten, wenn du dich zufrieden gibst mit dem, was du hast, dann bist du nichts wert. So. Oder, das ist jetzt sehr krass ausgedrückt, aber du weißt, was ich meine.

Manu: Das ist die Angst, die man hat.

Rachel: Das sind diese Pole dahinter.

Manu: Damit wollte ich jetzt nur beschreiben, das ist die Angst, die in uns drin sitzt. Das ist nicht das, was öffentlich gesagt wird, aber das ist die Angst, die in uns drin sitzt, das ist nicht das, was öffentlich gesagt wird, aber das ist die Angst, die in uns drin sitzt, dass wenn ich mich zufrieden gebe, wenn ich sage, ich will nicht so viel arbeiten, ich würde eigentlich gerne weniger arbeiten, Dann kratzt das an der eigenen Identität.

Rachel: Ja, es kratzt halt an diesem grundlegenden System, dass unsere Gesellschaft auf Wachstum ausgelegt ist. Und Wachstum ist höher, schneller, weiter, aber dass halt das nicht funktioniert. Ich verstehe, woher das kommt und die Herleitung deiner Gedanken. Ich würde aber da auch gerne noch ergänzen bzw. Einwand erheben, dass es ja auch einfach unglaublich viele Menschen gibt, die halt sagen, ich würde vielleicht gerne höher, schneller, weiter im Sinne von, ich würde mich gerne weiterentwickeln oder ich würde gerne mehr teilhaben am Arbeitsmarkt, die aber von vornherein ausgeschlossen sind. Also das ist halt dieses, die sagen, ich kann halt nicht mehr als das, was jetzt gerade geht. Und das muss auch okay sein.

Manu: Ja, voll.

Rachel: Und wenn mir die Gesellschaft das nicht ermöglicht, Entwicklung. Also ich finde, wir sollten einfach sagen, höher, schneller, weiter ist halt ein Ausdruck bösartiger Entwicklung. Im Sinne von, ich finde das vollkommen, also dass Menschen sich weiterentwickeln wollen, neues Lernen, da auch eine gewisse Autonomie bzw. Selbstverwirklichung, das ist vollkommen rechtfertigt.

Manu: Ja, Voll wichtig.

Rachel: Genauso. Aber wenn es halt bösartig wird im Sinne von Ellbogen und ich kann es nur alleine schaffen und ich setze dann darüber Anspruch, ich anspruche an andere, die halt einfach ganz woanders auf dem Spielfeld stehen und ich sehe das Spielfeld aber nicht oder will das nicht anerkennen, dann ist es halt bösartig. Und es gibt einfach unglaublich viele Menschen, die sich entwickeln wollen, die wachsen wollen, aber halt nicht teilhaben dürfen daran.

Manu: Und da hatte ich letzte Woche so einen Moment und ich wollte da ein Reel dazu machen und hab’s dann aber nicht gemacht, weil ich nicht die richtigen Worte gefunden habe. Vielleicht finde ich es diese Woche. Aber ich war ja letzte Woche so müde. Ich war so müde und ich war so abgekämpft und abgeschlagen irgendwie und hatte auch ganz viel dieses Ding so, aber du musst auch, du musst auch und du kannst dich jetzt nicht entspannen, du musst auch weitermachen und höher, schneller, weiter. Und da dachte ich mir, ich nehme jetzt kurz einen Reel auf, dass ich, ich würde gerne anderen, denen es so geht wie mir, gerne kurz sagen, dass es okay und menschlich ist, dass man mal müde ist. Und dass man einfach mal müde ist und dass das nicht geht. Und dass dieses höher, schneller, weiter immer so dieses drüber bügeln ist. Das ist im Endeffekt halt diese Hustle Culture und dieses höher, schneller, weiter, das hat einfach komplett die Menschlichkeit, klammert das komplett aus. Also eben auch, wie du vorhin ganz richtig gesagt hast, vielleicht auch psychische Erkrankungen, Vorbelastungen, ja, das, ADHS, keine Ahnung, weißt du, also es gibt ja so viele Attribute und Grundvoraussetzungen, die darauf Einfluss nehmen, wie man arbeitet, eigentlich. Und das wird halt nach wie vor ganz oft und gerade in dieser Hustle-Culture eben dann ausgeklammert. Und da sehe ich eben auch eine große Gefahr drin. Weil ich merke das bei mir jetzt im ganz Kleinen auch, dass das echt selbstverletzend ist, wenn man immer wieder über diese eigenen Bedürfnisse drüber bügelt.

Rachel: Ich merke, nee andersrum, ich stelle das als Frage. Wann merkst du denn, dass okay nicht okay für dich ist? In welchen Momenten merkst du das, dass du in diese Hustle-Falle tapst? Oder gibt es gewisse Muster, die du bei dir beobachtest?

Manu: Ja, also dass ich immer wieder in Arbeitszeit denke. Ich mir denke, heute, heute habe ich 10 Stunden gearbeitet, boah, jetzt bin ich ein Mensch. Schulterklopfen. Jetzt, So. Und…

Rachel: Jetzt darf ich Spaß haben.

Manu: Genau. Jetzt darf ich Spaß haben. Jetzt habe ich es mir verdient, Spaß zu haben. Spaß an meinem Leben. Weil das… Die Arbeit, das war keine Lebenszeit jetzt, sondern… und jetzt darf ich ein bisschen leben. Und dann das Gegenbeispiel an Tagen, heute habe ich, Moment, ich rechne es kurz zusammen, 3 Stunden produktiv gearbeitet, Jetzt muss ich mich den ganzen Abend lang dafür geißeln und weiter hier sitzen an meinem Arbeitsplatz, ohne irgendwas hinzubekommen. Ohne meine Artzeit produktiv zu nutzen, aber gleichzeitig ohne mich zu entspannen und einfach ich zu sein ohne Arbeit. Und ich will echt lernen, ich zu sein ohne Arbeit. Wer bin ich ohne meine Arbeit? Das würde ich wirklich, ich würde diese Person echt gerne kennenlernen und das am besten noch, solange ich lebe. Ja. Das ist, Und ich hab das total krass. Also gerade dieses Zeitding, das merke ich, das ist für mich echt immer noch so ein Narrativ, was in meinem Kopf drin steckt und darüber meine Arbeit bewerte. Das ist totaler Quatsch. Also gerade bei meiner Arbeit ist es totaler Quatsch. Ich habe schon genial, also Entschuldigung, jetzt selbstlob, aber ich habe schon echt gute Musik gemacht.

Rachel: Richtig okaye Musik.

Manu: Richtig okaye Musik. In, keine Ahnung, 1 halben Stunde. Und das andere Mal habe ich für, sag ich mal, qualitativ etwas Gleichwertiges, hab ich 2 Tage gebraucht. Wer könnte das irgendwie mit Zeit qualitativ einordnen? Niemand. Ist nicht möglich. Und deswegen, ich würde es gerne loswerden. Ich bin auf meinen Recherchen jetzt zu dem Thema auch, du kennst es wahrscheinlich den Begriff, aber ich bin auf den Begriff Slow Business gestoßen.

Rachel: Und das fand ich total geil.

Manu: Das ist praktisch der Gegenwurf zur Hustle Culture. Also Slow Business versus Hustle Culture. Und das ergibt für mich total Sinn. Das ist praktisch eine langsame Entwicklung des eigenen Businesses und das schließt genau solche Reflektionen, wie wir sie jetzt gerade betreiben, halt auch mit ein. Das gehört dann auch dazu.

Rachel: Sich da aktiv Gedanken drüber zu machen.

Manu: Sich aktiv immer wieder zu reflektieren, immer wieder anzuhalten, zu gucken, ist das gerade der richtige Weg? Verhalte ich mich hier gerade mir selbst gegenüber fair?

Rachel: Meinen Werten entsprechend?

Manu: Meinen Werten entsprechend, meinem Anspruch, meiner Arbeit gegenüber entsprechend. Und deswegen, ich möchte Slowpreneur werden.

Rachel: Slowpreneur, oh, das ist schön. Das ist schön.

Manu: Ist cool, ne?

Rachel: Ja, ist ein schönes Wort. So low. So lowpreneur. So low. So lowpreneur.

Manu: Das also, slowpreneur ist für mich der neue Anspruch an meiner eigenen Arbeit. Ich möchte noch langsamer werden.

Rachel: Ja, finde ich gut. Ja, ich

Manu: Merke auch, ich bin, ich bin jetzt, jetzt kommt ein komischer Satz, aber ich erkläre es gleich. Ich bin schneller in meiner Arbeit, wenn ich langsamer bin. Das heißt, wenn ich mir mehr Zeit ohne Arbeit ermögliche, wo vielleicht Ideen schon mal heranreifen können oder so, bin ich in meiner eigentlichen Arbeit Deutlich schneller. Das heißt, wenn ich mir mehr Freizeit gönne,

Rachel: …das Hirn mal durchlüften…

Manu: bin ich dann, wenn ich arbeiten muss oder auch will, deutlich schneller, deutlich inspirierter, deutlich … Also es ist eigentlich nur förderlich, sich von dieser Hustle-Culture zu lösen. Es hat eigentlich nur, zumindest jetzt bei mir, ich möchte da nicht für alle reden, aber zumindest aus meiner Perspektive und für mich ist es absolut sinnvoll, mich da komplett davon zu lösen. Weil wenn man mit etwas Geld verdienen will, woran man Spaß hat, dann ist der Optimierungsgedanke oft der größte Feind der Arbeit. 

Rachel: Ja, und der schnellste Weg ist, sich zu vermiesen.

Manu: Genau. Ja. Und man muss manchmal, glaube ich, dann auch da einfach sich darauf verlassen, dass durch den Spaß die Optimierung von selbst kommt.

Rachel: Die Entwicklung.

Manu: Die Entwicklung. Die Entwicklung ist ein besseres Wort, stimmt, sehr gut. Ja.

Rachel: Weil das ist halt offen. Entwicklung ist halt einfach nach vorne, also auf der Zeitleiste nach vorne und vollkommen frei, ob es nach oben oder nach unten geht. Ja. Weil manchmal ist ja auch eine Entwicklung dann nach unten in Anführungsstrichen, was ist unten oder gleichbleibend ist ja auch vielleicht voll okay.

Manu: Ja, total. Und das Absurde ist ja auch, wenn man sich diese Hustle-Culture und diese Business-Larrys, ich nenne sie immer so, sorry, wenn man sich die mal anguckt oder den Anspruch, den die haben, anguckt, dann unterscheidet sich die Form der Selbstständigkeit, die die predigen, ja überhaupt nicht vom Hamsterrad, das die immer anprangern, weil du arbeitest da ja auch dann erstmal, Du musst ja erstmal praktisch durch eine beschissene Zeit durch, dann eine schöne Zeit zu haben. Und das ist ja genau das Gleiche.

Rachel: Das ist das Versprechen. Das ist das, was dir halt dann versprochen wird. Ja. Ich bedenke so, ja, aber…

Manu: Aber was ist, wenn ich halt in dieser beschissenen Zeit dann einfach sterbe? Jetzt mal blöd gesagt. Ja. Wenn ich da einfach tot umfalle, weil ich so eine beschissene Zeit habe, dann später eine schöne Zeit zu haben, dass ich dann einfach die schöne Zeit gar nicht mehr erlebe. Und das ist einfach, ja, also das ist, das ist allein das, finde ich, setzt diese ganze Ideologie schon schachmatt.

Rachel: Also lasst uns das Hamsterrad kaputt machen.

Manu: Wir machen das Hamsterrad kaputt. 

Rachel: Und ich nehme das für mich mit, Wir sind ja noch lange, das ist ja das Schöne, wir werden auch deswegen immer wieder über dieses Thema sprechen, weil das ist jetzt viel auf 1 intellektuellen Ebene darüber gesprochen. Bis das mal wirklich drin ist im System, dauert das dann nochmal. Aber ja, ich möchte auch lernen, dass okay vollkommen okay ist.

Manu: Ja, ich auch.

Rachel: Und dass ich vielleicht in anderen Dingen höher, schneller weiterkommen möchte. Ich möchte mehr Rachel sein. Ich weiß auch noch nicht, wer das ist. Das ist ja auch nochmal so ein Thema, da kommen wir bestimmt auch nochmal drauf. Aber die mal kennenlernen, einfach mehr davon. Ich glaube, das ist ganz gut. Und Arbeit darf dann okay sein, wenn der Rest, der Rest darf dann wachsen.

Manu: Ich will mich wieder, ich möchte mich dahingehend optimieren. Ich möchte mich viel mehr wieder mit meinen eigenen Gefühlen und Emotionen verbinden können und die erleben können. Ja, also ja, das sind Werte. Das ist wirklich wichtig.

Rachel: Ja, Okay, gut. Folge 68.

Manu: Wow.

Rachel: Sehr gut.

Manu: Wir haben jetzt 46 Minuten geredet. 47 Minuten.

Rachel: Ja, war ein wichtiges Thema.

Manu: Ja, schön. Gut. Hat Spaß gemacht. Ja? Ja, war intensiv. Ich nehme auch einiges mit. Es hat mich auch ein bisschen aufgewühlt. Ich glaube, ich muss ein bisschen verdauen jetzt.

Rachel: Ja, das ist vollkommen Okay, gut. Dann, die Folge geht jetzt direkt online. Da kümmern wir uns drum. Und das heißt, wir wünschen euch da draußen eine Schöne Woche.

Manu: Einen langsamen Dienstag.

Rachel: Oder Wochentag, wann auch immer ihr das hört.

Manu: Einen langsamen Tag.

Rachel: Und ihr seid vollkommen okay. Und ihr seid nicht nur Okay, ihr seid vollkommen okay. So wie ihr seid. Schön.

Manu: Schön. Gut, dann bis nächste Woche.

Rachel: Bis dann, ciao.

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