Manu: Tag!
Rachel: Hallo! Tag auch! Mal unsere internationalen, äh, innernationalen Zuhörer abzuholen.
Manu: Inner-Internationalen? Ja. Ah, okay.
Rachel: Weil international ist das ja nicht.
Manu: Also. Wenn ich Grüß Gott…
Rachel: Ah, vielleicht DACH-Region. Hallo! Hallo in die DACH-Region.
Manu: Hallo in die DACH-Region. Ein Grüßli. Ein Grüßli. Servus.
Rachel: Ein Grüßli in die DACH-Region. Na?
Manu: Na? Und? Na? Wir sind zu spät dran.
Rachel: Ja, wir sind heute spät dran. Es war wild. Aber die Folge kommt heute noch raus. Und das ist, ähm…
Manu: Das ist alles, was zählt. Achso, wir veröffentlichen sie heute noch?
Rachel: Ja. Ja, okay. Wenn wir jetzt schon so früh dran sind. Cool. Dienstagmittag. Ja. Das Leben ist einfach dazwischen gekommen.
Manu: Das Leben.
Rachel: Es ist eine wilde Mischung im Moment.
Manu: Es ist dem Leben. Dem Leben ist dazwischen gekommen.
Rachel: Genau. Wow.
Manu: Boah, Wir sind heute richtig motiviert.
Rachel: Ja, schon. Als ich mich vorbereitet habe, richtig schön mal wieder mit Stift und Papier auf das Folgenthema, habe ich dann doch gemerkt, ich fühle es schon. Ich finde auch, dass wir ein sehr gutes Timing haben. Weil gestern ja Herbstanfang war. Stimmt. Tag und Nacht gleiche. Stimmt. Und jetzt ist Herbst.
Manu: Ganz offiziell.
Rachel: Pünktlich zum Temperature Drop, der uns am Montag alle heimgesucht hat
Manu:. Sonntag hat es noch 26 Grad gehabt, gestern einfach 12 Grad weniger. Ja, krass. Das ist schon krass.
Rachel: Ja. Aber Wetter, ne?
Manu: Wetter.
Rachel: Jahreszeiten.
Manu: Jahreszeiten, verrückter Shit.
Rachel: Das sind Sachen, die man nicht in der Hand hat, denen man sich einfach hingeben muss. Und vielleicht muss man auch einfach mitgehen mit dem, was die Natur einem da an die Hand gibt.
Manu: Es fühlt sich ein bisschen so an, als würdest du überleiten.
Rachel: Nein, das ist schon ein Learning. Das ist wie Minute was? Minute 6, 7? 3. 3. Wow, Zeit. Und wir sind schon beim ersten Learning. Das geht heute langsam. Ne, Thema ist das Bedürfnis nach Rückzug.
Manu: Ja.
Rachel: Und wir haben in den letzten Wochen immer mal wieder gemerkt, dass gerade Irgendwas brodelt in uns, irgendwas ist los. Und als wir gestern an die Themenauswahl gegangen sind, habe ich gesagt, darüber möchte ich sprechen. Und eben jetzt in der Auseinandersetzung und auch eben mit dem Herbstanfang, ich merke, dass das gerade sehr gut passt. Weil ja eben jetzt der Herbst, dieser Übergang der Jahreszeiten, wirklich auch so dieses, man macht sich’s jetzt gemütlich. Ja. Und das haben wir in den letzten 2, 3 Wochen ja auch gemerkt, mit einem Sofa, einem immer gemütlich werdenderen Wohnzimmer. Mhm. Ähm, merke ich schon, dass das so mein Fokus für die nächsten Monate wird. Mehr Gemütlichkeit.
Manu: Mehr Gemütlichkeit.
Rachel: Mehr Rückzug ins…
Manu: …Gemütliche.
Rachel: In den privaten Wohnraum vielleicht auch. Ja. Ne, genau. Okay. Und ich werde den Bogen auch dann wieder spannen. Ich habe für den Abschluss der Folge ein bisschen was schon mitgebracht und da werden wir dann auch wieder freudig drauf. Ich werde den Bogen spannen. Okay.
Rachel: Oh, Ich hoffe, ich vergesse es nicht. Jetzt bin ich aufgeregt. Ich auch irgendwie. Du bist voll überfordert.
Manu: Ja.
Rachel: Was hast du mitgebracht zu dem Thema Rückzug? Was ist so dein, das erste, was dir dabei…
Manu: Ehrlich gesagt, ich saß vor diesem Thema und ich, ich habe irgendwie so ein ambivalentes Verhältnis zu, zu diesem Thema, dass es mir unglaublich schwer gefallen ist, mich konkret damit auseinanderzusetzen. Weil ich plötzlich gemerkt habe, dass da ganz viele Sachen in mir hochkommen. Ähm Und ganz viel Gefühl.
Rachel: Mhm.
Manu: Ganz viele Gefühle dazu in mir hochkommen und ich dann eigentlich irgendwie so die ganze Zeit damit beschäftigt war, während ich mich damit auseinandergesetzt habe. So, wie so eine Kiste öffnen und sich ganz schnell aber versuchen wieder auf diesen Deckel draufzusetzen, weil man merkt, 000, da, guck 1 an, na schau mal 1 an, da ist aber, glaube ich, eine Menge in der Kiste drin. Deswegen, ich habe jetzt ehrlich gesagt…
Rachel: Beste Voraussetzungen, diese Kisten jetzt live im Podcast wieder aufzumachen. Wieder aufzumachen.
Manu: Ja, genau. Ich bin ganz ehrlich, ich habe, ich habe eigentlich, Ich möchte mit einem Zitat eröffnen.
Rachel: Oh, schön.
Manu: Genau. Also ein Zitat von einem Künstler, den ich zurzeit recht viel höre, den ich dieses Jahr entdeckt habe. Und ich liebe die Texte von dem. Und Simon Slommer.
Rachel: You never told me about him.
Manu: Doch, ich glaube schon. Und der hat ein wunderschönes Zitat in einem.
Rachel: Doch, ich glaube schon. Ich glaube schon.
Manu: Das ist eigentlich so eine Unionspolitiker-Antwort. Aber hier sind Fakten.
Rachel: Ich glaube an was anderes. Gut, dann erzähl mal.
Manu: Und zwar ist das Zitat: ich habe Fernweh nach innen.
Rachel: Oh.
Manu: Und ich glaube, das beschreibt meine Situation sehr gut, die ich hatte, als ich irgendwie auf dieses Thema geblickt habe. Ähm Rückzug. Und was das für mich bedeutet. Und was es jetzt gerade für mich bedeutet und die Sehnsucht danach und das fasst das eigentlich sehr gut zusammen. Dieses Zitat, weil ich merke, dass ich mich gerade in 1 Situation befinde, wo ich eigentlich das Gefühl habe, ich müsste mich dringend mit vielen Sachen in mir auseinandersetzen, aber das Leben mir nicht wirklich den Space gibt dafür. Die altbekannten Themen, Geld und Arbeit.
Rachel: Aber gleichzeitig ja auch, dass das Außen oder das Leben außen auch ganz stark Grund dafür ist, dass man sich diesen Rückzug wünscht. Also das kommt, finde ich, sehr… Also erstmal, Ich finde das Dittat mega schön. Also neben der persönlichen, privaten Dimension, sage ich jetzt mal, wie eigene Herausforderungen, die man eben hat im Arbeitsalltag oder Existenz. Merke ich gerade auch, dass diese gesellschaftlichen Krisen, vor denen wir stehen, die ja auch durch dieses digitale Dauerrauschen einem auch 24-7 so vor die F… Vor den Latz geknallt werden.
Manu: Ja, und die Absurdität dessen auch irgendwie.
Rachel: Ja das ist ja also dieses dieser Rückzug nach innen dieses sich mal irgendwie rausnehmen wollen, hat natürlich auch eine ganz große eskapistische Komponente. Es ist halt für mich gerade auch die Frage, auch in der Vorbereitung und eben jetzt vielleicht, wenn wir uns auch inhaltlich jetzt nochmal in der Folge damit auseinandersetzen. Die Frage, wie dieser Eskapismus aussieht oder wie man, wenn ich das jetzt für mich reflektiere, ist schon viel Rückzug gar nicht im Sinne von mich dadurch erholen, sondern ablenken. Das, was ich bisher viel gefahren habe, mich rauszunehmen aus all diesen negativen Dingen, die gerade passieren. Diese Beschäftigung mit den vielen verschiedenen gesellschaftlichen Missständen, aber eben auch im Privaten. Die Überforderung, Also das war das erste, was ich aufgeschrieben habe. Dass das Bedürfnis nach Rückzug für mich eigentlich auch im ersten Moment immer so ein Zeichen der Überforderung ist. Also Dass wir aber letztendlich das ja schon auch sehr viel geframed haben, ob jetzt eben gesellschaftlich oder in der selbstständigen Bubble oder ganz persönlich, dass so ein bisschen was mit Schwäche zu tun hat. Dass das eigentlich so ein Bild davon ist, von wegen, warum kannst du nicht Warum ziehst du dich da jetzt irgendwie raus oder zurück? Mhm. Und ich bin ja auch so ein kleiner Sprachen Sprachnerd. Sprach Also Wörter. Pff. Das Oh, wow. Worte, Worte, Wörter. Sprachen. Sprachnerd. Sprach… also… Wörter. Wow. Worte. Worte, Wörter. Ich hab ganz oft das Problem bei mir, wenn ich mich damit auseinandersetze, von wegen ich brauche jetzt eigentlich Rückzug oder das ist mein ganz großes Bedürfnis danach und ich kann dem nicht nachgeben, ist, dass ich da eigentlich erst in Vorleistung für gehen muss. Also, wenn ich mich zurückziehe, muss ich erst was hinein geben oder vorher.
Manu: Also den ersten Fortschritt haben, sich dann zurückzuholen.
Rachel: Einfach diese Gegensätze tatsächlich auch in der Sprache nochmal darzustellen. Und so dieses Puls, also Zeit, Ebbe, Flut mäßig, Wasser, das sich zurückzieht und dann halt kommt. In meinem Kopf ist das noch sehr stark verankert mit diesem erst muss halt das Rausgehen passieren, bevor ich mich zurückziehen kann. Ich möchte jetzt eben auch in Bezug auf die nächsten Monate, Wochen und mit vielen anderen Themen, denen wir uns ja gerade auch beschäftigen, eigentlich mal lernen oder gucken, ob ich das anders framen kann. Dass es gerade eigentlich wichtig ist, mich jetzt erst zurückzuziehen, dann rauszukommen, rauszugehen. Und wie dieser Rückzug eben aussehen kann. Das war jetzt ein kleiner Monolog von meiner Seite.
Manu: Ja, aber ist gut, was du sagst.
Rachel: Irgendwelche Gedanken dazu?
Manu: Ja, ich habe das auch total tief in mir drin, leider. Ich glaube, das ist ja was, womit wir alle zu kämpfen haben, dass wir irgendwie das Gefühl haben, wir müssen irgendwie in Vorleistung gehen, damit wir uns dann zurückziehen zu dürfen. Es geht ja wirklich immer dieses Dürfen. Und und dass auch immer ein Rückzug ja auch immer mit Charme verbunden ist. So, also, Der ja auch ganz tief sitzt irgendwie.
Rachel: Dass man das Scham darüber, dass man das jetzt für sich einfordert, während man das Gefühl hat, alle anderen da draußen sind so stark und können das einfach durchballern.
Manu: Ich meine, gibt es ein simples Beispiel dafür? Also Mental Health Days. Also dass ja zum Beispiel irgendwie eine mentale Situation auch ein Grund für eine dringend benötigte Erholungsphase sein kann. Und dass wir aber da gesellschaftlich gesehen immer noch so an einem Punkt sind, zumindest flächendeckend, dass das einfach immer noch nach wie vor auf so eine moralisierende Art und Weise irgendwie no go ist, dass man das macht, dass das irgendwie Space haben muss. Und deswegen fühle ich das sehr, was du gesagt hast mit ich muss da erst mal pushen, dann pullen zu können.
Rachel: Mhm.
Manu: Also, dass ich da erstmal… Und wie tief das dann doch in uns allen drin sitzt. Und selbst wir, die wir irgendwie unsere Arbeit sehr freigestalten können, da ist das trotzdem so.
Rachel: Ja. Ähm, ja. Lass mich den Satz noch mal anfangen. Alles gut, Entschuldigung. Also, naja. Wie schnell ist das denn? Okay. Und wir haben in anderen Folgen ja auch schon über Erholung und Pausen gesprochen. Und ich möchte das jetzt aber, also in meinem Kopf ist das Thema jetzt heute schon auch nochmal differenzierter davon. Und da geht es jetzt eben eine ganz persönliche und individuelle Ebene, dass Erholung für manche, viele extrovertiert, ambivertierte Menschen ja eben auch bedeuten kann, unter Menschen zu sein, rauszugehen. Und für Introvertierte auf dem Spektrum eher eben dieser Rückzug und für sich alleine sein und darüber seine Energien wieder sammeln. Aber das Thema heute ist jetzt für mich gar nicht mal so die Frage eben Rückzug aus Arbeit Erholung. Das spielt ja schon auch mit rein. Sondern für mich geht es jetzt wirklich bei dem Thema eher auch dieses bewusste sich auch in sich zurückziehen. Gar nicht mal gar nichts zu machen, sondern sich mit den inneren Prozessen wirklich aktiv auseinanderzusetzen. Mal sich abschotten irgendwo auch von einem Außen und von anderen Menschen. Und vielleicht eben auch tatsächlich von so 1 direkten und ganz nahen Beziehung, wie wir das irgendwie führen oder haben, durchaus auch mal wieder bewusst sich Zeiten oder jetzt gerade auch das Bedürfnis danach zu haben, sich auch da zurückzuziehen und so sein eigenes Ding, ihr eigenes Ding so zu machen. Und ich habe beispielsweise jetzt in den letzten 2, 3 Tagen für mich das Schreiben total wiederentdeckt. Dass das für mich echt so eine sehr gute… Sich mit mir beschäftigen und auch Themen dann immer wieder aufzugreifen. Und so ein Rückzug eigentlich auch ist. Und ähm… Ich hab grad richtig Lust, es mir in diesem Rückzug mit dem Herbst, der jetzt eben auch kommt, es mir da auch richtig schön zu machen. Und darüber dann vielleicht auch, weil ich mich kenne und weiß, wie das in vielen anderen Phasen in meinem Leben war. So diese sehr dünne, fließende Grenze zwischen Rückzug und ein Wie ist das Wort? Schlecht in dem Podcast, aber von Wortfindungsschwierigkeiten. Ich will mir keinen Kokon bauen, der fest ist, wo ich mich dann auch erst wieder rauskämpfen muss. Weißt du? Sondern eine süße kleine Ecke, wo ich auch mal eine Hand raus oder dich auch mal reinholen kann oder Freunde oder wie auch immer. Aber so dieses, ich will mich jetzt auch nicht einigeln. Das will ich nicht isolieren. Genau, Ich will mich jetzt mit dieser Art von Rückzug, die ich mir wünsche, das merke ich, dass das gerade für mich so ein Balance-Act ist, der mich gerade aber auch neugierig macht. Aus ähnlichen Gründen, war das viel dieses Abkapseln eigentlich. Und da jetzt einen neuen Zugang zu zu finden, da bin ich sehr gespannt in dieser Auseinandersetzung mit mir selber und meinen Themen. Was ist denn da, wenn ich mal überhaupt nicht aufs Außen gucke oder mir vom Außen irgendwas sagen lasse. Da bin ich gerade echt mit so 1 experimentellen Neugier, gehe ich da gerade irgendwie dran. Also ich gucke da, ich schiele da so ein bisschen hin und ich bin gespannt, was in den nächsten Monaten passiert.
Manu: Schön.
Rachel: Weil ich merke, dass das echt gerade ein ganz, ganz starkes Bedürfnis ist. Mhm. Bei mir. Mhm.
Manu: Also eine positive Form des Rückzugs. Ja. Das neue, dem eine neue Gestalt zu geben.
Rachel: Genau, daraus kein Abkapseln zu machen, weil ich das in vielen Phasen auch anders gemacht habe, und das war nicht gut. So im Nachhinein. Ja. Ja. Ja. Wie geht es dir damit? Willst du oder nimmst du dir schon Raum für dieses einfach nur mal mit dir selbst sein?
Manu: Nein.
Rachel: Nein.
Manu: Also ich, aber ich beobachte mich da in letzter Zeit irgendwie gerade in den letzten 2, 3 Wochen sehr viel selber darin und ich hab, Es fällt mir wahnsinnig schwer, weil ich keine wirklich gute Zeit mit mir allein habe und dann eher dazu neige, meine Rückzugszeit, sage ich mal in Anführungsstrichen, mich da zu berieseln.
Rachel: Abzulenken.
Manu: Abzulenken, genau. Aber wie gesagt, ich wiederhole das, was ich am Anfang gesagt habe, das ist irgendwie so dieses Wortrückzug eben und alles was damit einhergeht, das hat bei mir irgendwie so eine Kiste aufgemacht und so eine Tür eingetreten, dann auch nochmal, oder Öl in das Feuer gegossen, was ja schon irgendwie da ist, so die letzten 3 Wochen. Deswegen, ich weiß auch gar nicht, wie viel ich davon teilen möchte, ehrlich gesagt, von dem Prozess, der da irgendwie bei mir gerade ist. Ich merke nur eben, ich habe durch dieses Wortrückzug gemerkt, dass ich eine extreme Überforderung verspüre. Mhm. Ich merke, dass ich wirklich überfordert bin. Wir haben neulich auch schon mal abseits dieser Mikrofone darüber gesprochen. Ich hab halt auch oft zurzeit den Moment, dass ich das Gefühl hab, ich Und ich glaube, da liegt vielleicht auch ein bisschen so der Hund begraben, dass mir Rückzug oder wirklicher Rückzug auch fehlt, den ich dann auch produktiv nutze.
Manu: Ich merke, dass ich mich immer öfter dabei ertappe, dass ich merke, ich kann die Spannung nicht mehr halten. Und das ist ja auch etwas, was mit Selbstständigkeit irgendwie einhergeht, so dass man immer irgendwie darauf angewiesen ist, dass man so die Spannung hält und die Disziplin hält und ich war eigentlich immer sehr stolz auf mich, dass ich da sehr gut darin bin und war. Und du hast neulich mal diesen Schlüsselsatz mir gesagt, dass du rausgefunden hast, ich weiß gar nicht, wo du es gelesen hast, aber dass Disziplin etwas ist, was man aufbrauchen kann. Und das war für mich ein totaler Schlüsselsatz, weil ich plötzlich gecheckt habe, was mit mir los ist. Ich habe meine Disziplin aufgebraucht, letzten 8 Jahre. Und das ist irgendwie etwas, was da mitspringt. Und Ich würde mir wünschen, ich könnte da noch offener darüber reden, aber ich bin, glaube ich, noch nicht so weit.
Rachel: Ja, das ist auch voll okay.
Manu: Was ich auf jeden Fall merke, ist, dass das ein Thema ist, über das wir alle viel zu wenig reden in der Selbstständigkeit. Also wie viel Disziplin und Selbstdisziplin Selbstständigkeit tatsächlich benötigt. Und dass das eben ein Gut ist, was man aufbrauchen kann, wenn man nicht genug auf sich selbst aufpasst. Und ich habe immer geglaubt, dass ich jemand bin, der darin unglaublich reflektiert bin. Turns out, ich bin sehr gut darin, mir selbst Reflektion vorzugaukeln. Und das ist ein gravierender Unterschied. Und auch Das ist etwas, womit man sich, und das kann ich jetzt in der Situation, in der ich jetzt gerade bin, wirklich gut sagen, das ist etwas, was man sich frühzeitig angucken sollte, ob man wirklich selbstreflektiert ist oder ob man sich da eigentlich was vorgaukelt. So, und ich glaube, auch in der Selbstständigkeit ist Rückzug und produktiver Rückzug ein absoluter Schlüssel.
Manu: Und ich glaube auch, dass es wichtig ist, Rückzug positiv zu framen, so wie du das vorhast. Für einen selbst. Und ich merke, ja?
Rachel: Mach den Gedanken noch zu Ende.
Manu: Ich hab ihn tatsächlich, ich hab ein Faden verloren.
Rachel: Oh nein, nein ich ähm… Mir ist gerade der Halbsatz produktiver Rückzug aufgefallen, bisschen noch aufgestoßen, sauer. Was meinst du damit? Eben dieses nicht sich ablenken und berieseln lassen, sondern…
Manu: Produktiv nicht im Sinne von an Leistung geknüpft, das meine ich damit nicht mit produktiv, sondern im Gegenteil. Produktiver Rückzug im Sinne von, dass ich dann auch wirklich mir Zeit für Selbstreflektion nehme und mich wirklich in mich zurückziehe und mich produktiv mit mir selbst auseinandersetze. Und das nicht eben über Berieselung löse, die dazu führt, dass man diesen Rückzug eben in Anführungsstrichen nicht produktiv löst, äh nutzt. Weißt du, was ich mein?
Rachel: Ja, ja, weiß ich.
Manu: Aber dann wird es auch wieder ein To-Do. Und ich glaube, das ist das, was dir aufgestoßen ist.
Rachel: Ich glaube, das ist jetzt einfach nur eine Idee und nur eine Beobachtung und das ist was, was du, wo du mich bitte korrigierst, wenn ich falsch liege. Im Podcast darfst du das, abseits des Mikrofons weißt du genau, dass das nicht geht. Aber wir müssen ja dieses Bild aufrecht erhalten. Ich glaube, wir sind gerade zeitversetzt in sehr ähnlichen Phasen, die du durchläufst und die ich vielleicht schon ein bisschen in anderen Nuancen, wo ich vor ein paar Wochen schon mal war. Mhm. Ähm Und was bei mir so ein Ding war, womit das ja auch angefangen hat, dass ich mir abends mal eben keine Screen Time, nichts irgendwie sich noch reinziehen und dann berieseln lassen durch ein Spiel oder so was. Oder eine Serie gucken oder was. Sondern ich hab was für einen absoluten Selbstzweck gemacht, das eben nicht dann in dem Moment was mit Reflektion zu tun hat und ich nehm mir jetzt Zeit und denke über große Themen nach, sondern ich mach mal, ich sitz einfach mal da und mach was ohne Sinn, so. Als ich, das ist jetzt, das, ähm, lachst du jetzt vielleicht oder jemand da draußen. Aber als ich mir dieses Ausmalbuch gekauft habe und dann einfach mal angefangen habe, da einfach mal ein paar Abende lang blöd irgendwelche Blumen auszumalen. Da ist kein… Das mach ich nur für mich. Da mach ich was ich sonst in meinem Arbeitsalltag oder sonst irgendwie auch in anderen Hobbys überhaupt nicht nachgehe, sondern so dieses vielleicht erstmal fein damit zu sein, mit sich allein zu sein, Also diese Hürde da rauszunehmen. Ich kann mit mir sein, ohne aktiv zu reflektieren und das jetzt produktiv zu nutzen, einen Rückzug. Ich lerne gerade fein, mit mir alleine oder mit mir selbst zu sein, weil wenn ich einfach nur ein bisschen was vor mich hinkritzel oder male oder sowas oder stricken oder wie auch immer. Also das Affen hin hat ein bisschen was zu tun, so, aber ich muss jetzt nicht direkt an dem Abend mit 1 großen Erkenntnis über meine Gefühlswelt rausgehen, sondern ich kann auch einfach nur gelernt haben, ich kann den Abend mit mir selbst verbringen und das ist vollkommen genauso wie lesen. Das ist zwar eine Geschichte und nochmal eine andere Berieselung, Man geht da in eine Storyline rein und so. Aber dieses, vielleicht müssen wir… Ich glaube nicht, dass du in deiner Selbstreflektion dir selbst irgendwie was vorgegaukelt hast, aber auch da den Anspruch vielleicht ab und an mal rauszunehmen. Merke ich jetzt für mich gerade auch, dass das vielleicht das war, was mir in diesen Ausmalabenden so gut getan hat, dieses überhaupt erstmal zu lernen, so wie ist das, wenn ich jetzt einfach nur für mich, da läuft ein bisschen Musik, ich habe schönes Licht an, ich mache jetzt ein bisschen und lerne einfach mal nur für mich alleine zu sein.
Manu: Rückzug ohne Anspruch.
Rachel: Ohne einen Anspruch und da kommt und wenn das Bild am Ende nicht gut aussieht, dann ist das Total egal. Es gibt noch ganz viele leere Blumen, die ich ausmachen kann. Das ist gerade so eine Überlegung, die da irgendwie reinkommt. Auch nicht das an ein Hobby zu knüpfen, wo man sagt, da will ich irgendwie besser drin werden, wie jetzt ein Instrument spielen oder ich will, dass dein Ergebnis bei rumkommt, dass ich dann Stricken, Schalen, die ich anziehen kann, Socken, die ich anziehen kann, so. Sondern ich hab da dieses Buch, das klapp ich zu. Also ich mach da nichts mit den Bildern, die sind dann da einfach. Ich will ja jetzt nicht sagen, du musst dir jetzt auch so ein Ausmachbuch holen. Aber ich verstehe, was du meinst.
Rachel: Aber das merke ich gerade, das war glaube ich so ein erster Schritt, jetzt für mich diesen Rückzug auch anders schon wertzuschätzen und zu sagen, da hab ich irgendwie Lust drauf, das noch mehr raus zu, so spielerisch für mich zu gucken, wie kommt das, ohne dass ich jetzt bierernst da so zum überlege, worüber reflektiere ich jetzt in mir drinne. Sondern was kommt hoch erstmal, Also sich beobachten.
Manu: Ja, das ist eine gute Idee.
Rachel: Es ist ein Prozess und es ist jeder, es ist für alle irgendwie unterschiedlich, aber ich glaube, dass jetzt mit dem kommenden Herbst vielleicht auch einfach genau die richtige Zeit dafür ist. Und ich spanne den Bogen jetzt schon, wenn du möchtest.
Manu: Wie du willst.
Rachel: Die FAZ hat vor 2 Tagen einen sehr guten Beitrag gebracht. Auf Instagram habe ich den gesehen und dachte mir, das ist doch jetzt perfekt, also dass ich das jetzt mal mit der FAZ in Verbindung bringe. Aber sie haben der Schlafmaus einen Beitrag gewidmet. Die Schlafmaus macht sich nämlich jetzt bereit und zieht sich zurück und schläft. Und vielleicht ist jetzt Zeit, dass wir alle so ein bisschen mehr unsere innere Schlafmaus embracen. Und das mal mit den Jahreszeiten auch mitzugehen. Ich weiß nicht, ob das was pseudoesoterisches ist, aber ich merke, dass mir das Wenn ich die Bäume, wenn wir auf dem Balkon stehen, rausgucken oder hier auch in dem Zimmer, es wird jetzt einfach, es ist jetzt die Zeit, das ist jetzt, Sommer ist vorbei. Und ich glaube nicht, dass der Mensch dafür gemacht ist, 12 Monate im Jahr durchzuballern.
Manu: Nee, mit Sicherheit nicht.
Rachel: Geschweige denn 8 Jahre.
Manu: Man versucht es halt.
Rachel: Ja, aber man denkt, dass alle das so machen müssen. Und ich fand es schön, dass du gerade das Thema auch nochmal angesprochen hast, weil das eben sehr eng damit verknüpft ist. Und wir werden nochmal über dieses Thema mit der Disziplin sprechen.
Manu: Ja, sorry, da bin ich da so in einen weiten Bogen geschleift.
Rachel: Vollkommen richtig. Ich glaube nur, dass wir beide den Anspruch haben, uns auch noch mal ein bisschen reinzulesen. Ich werde das Stichwort jetzt auch noch mal droppen. Da geht es die sogenannte Ego-Depletion. Und genau, das wird auch ein spannendes Thema. Hast du noch was?
Manu: Ne, ein bisschen schlechtes Gewissen, dass ich mich wirklich nicht so gut auf diese Folge vorbereitet habe. Aber ich danke dir, dass du uns da jetzt durchgetragen hast.
Rachel: Das ist, also wie gesagt, ich glaube, das ist einfach der Prozess, den wir zeitversetzt in ähnlichen Nuancen durchgegangen sind. Und ich bin mir sicher, dass wenn wir in ein paar Wochen, Monaten das Thema nochmal anschneiden oder du da dann Erkenntnisse hattest oder sagen kannst, du hast deine Alternative, dein Äquivalent zu deinen Ausmalbildern gefunden, zu meinen Bildern, dann kommt das. Ja. Mal ohne Anspruch. Rückzug ohne Anspruch, vielleicht ist das…
Manu: Ja, ich habe auch gerade überlegt, vielleicht ist es gar nicht eine Pause, nach der ich mich sehne, sondern es ist genau das, Rückzug ohne Anspruch.
Rachel: Mal eben nicht, ich muss die Zeit aber dann nutzen und dann muss doch was handfestes dann im Journal stehen. Erstmal fein damit sein, mit sich selbst zu sitzen.
Manu: Na gut.
Rachel: Wir haben bei der letzten Folge ist uns dann nach der Aufnahme eingefallen, dass wir keinen Wochenrückblick gemacht haben. Ja. Dadurch, dass wir die Strukturen der Folgen umgestellt haben und quasi direkt mit euch ins Thema gehen, ähm, haben wir dann einfach den Rückblick unter den Tisch fallen lassen. Jetzt frag ich mich aber grade, haben wir überhaupt irgendwas zu erzählen, was in den letzten 2 Wochen passiert ist? Nee, wir arbeiten einfach so vor uns hin.
Manu: Ja, nee, ich hätte jetzt nichts.
Rachel: Nee, aber ich wollte jetzt nicht irgendwie das nochmal übergehen und dann sagst du, hey, wir haben’s schon wieder nicht getan.
Manu: Wir haben’s schon wieder vergessen.
Rachel: Wir haben’s schon wieder nicht getan.
Manu: Nein, nein, ich hab nix. Ich hab nix.
Rachel: Also wir embracen jetzt alle mal unsere innere Schlafmaus.
Manu: Das ist gut. Das machen wir.
Rachel: Und? Und dann hören wir uns nächste Woche.
Manu: Dann wieder vielleicht, wieder pünktlich.
Rachel: Schauen wir mal. Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja. Sie kommt ja noch am Dienstag. Ja, stimmt. Alles klar. Dann, gute Nacht.
Manu: Gute Nacht. Tödelü.